Kategorie: Dezember

8.12. – Der umtriebige Herr Calmund

Es war ein schmaler Grat auf dem Reiner Calmund im Herbst 1989 wandelte. Manch einer mag seine Bemühungen um die besten Fußballer der DDR kurz nach der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze umtriebig nennen, ein anderer würde sein Gebaren wohl als Wildwestmethoden bezeichnen. Eines ist unbestritten – sie waren erfolgreich.

Am 8. Dezember 1989 am Rande des 20. Spieltags gab Calmund bekannt, dass er den ersten legalen Ost-West-Transfer eintüten würde. Andreas Thom sollte in Kürze von Berlin nach Leverkusen wechseln.

Schon wenige Tage nach dem Mauerfall hatte Calmund den Kontakt mit den DDR-Fußballern gesucht und sich dabei nicht immer ans Protokoll gehalten. Schon Mitte November hatte er einen Mitarbeiter inkognito zum DDR-Länderspiel nach Wien entsandt. Calmunds Späher gab sich als Fotograf aus und nahm schlussendlich sogar auf der Auswechselbank der DDR-Auswahl Platz. In einem ausführlichen Interview erinnert sich Calmund an diese und andere Geschichten aus der Wendezeit und stellt fest: „Vielleicht waren wir ein bisschen forsch.“

Und sonst

  • 8. Dezember 1935: es wird das erste Finale des heutigen DFB-Pokals (damals: Tschammer-Pokal) ausgetragen. Der 1. FC Nürnberg setzt sich gegen Schalke 04 durch.
  • 1993 zelebriert Werder Bremen ein weiteres kleines Europapokal-Wunder. Gegen Anderlecht liegt man zur Halbzeit 0:3 zurück. In den zweiten 45 Minuten verwandelt Otto Rehhagels Team den Rückstand in einen 5:3-Sieg.
  • 2005 wurde Norbert Meier am 8. Dezember als Trainer des MSV Duisburg entlassen. Auslöser war die so genannte Kopfstoß-Affäre.

Geburtstage

  • Geoff Hurst, 1941
  • Les Ferdinand, 1966
  • Jürgen Luginger, 1967
  • Bernd Hollerbach, 1969
  • Halil und Hamit Altintop, 1982
  • Maximilian Eggestein, 1996

 

7.12. – Wunder von der Weser

1999 war der UEFA-Pokal noch ein reiner KO-Wettbewerb. Zwei Spiele entschieden über Weiterkommen oder Ausscheiden. So einfach war das. Galatasaray Istanbul machte am Ende das Rennen und holte den UEFA-Cup. Werder Bremen scheiterte im Viertelfinale am Arsenal FC und schrieb dennoch ein kleines Stück Fußballgeschichte. Denn nicht nur in Bremen wird man sich an das außergewöhnliche Rückspiel der 3. Runde am 4. Dezember gegen Olympique Lyon erinnern.

Vor Anpfiff schien die Lage für die Bremer eher aussichtslos. 0:3 hatte man in Lyon verloren. Trainer Thomas Schaaf spielte gewohnt offensiv, hinten ging es 1-gegen-1 und vorn sollten Herzog, Ailton, Pizarro und Bode es richten. Vom Anpfiff weg starteten die Bremer ihren Sturmlauf.

Marco Bode traf schon nach einer Viertelstunde aus schwierigem Winkel und zur Pause stand es durch einen Elfmeter 2:0. Ein neuerliches Wunder von der Weser schien sich anzukündigen. Nach zehn Minuten in Halbzeit 2 war das Hinspiel egalisiert und Lyon lies reihenweise Chancen liegen.

Beim entscheidenden 4:0 hatte Ailton, mit modischem Goldkettchen, seinen großen Auftritt. Wer den Brasilianer nur noch als pummeligen Gute-Laune-Typ in Erinnerung hat, kann sich in der Spielzusammenfassung von seinen wahren Qualitäten überzeugen. Vor der Mittellinie bekommt er den Ball und legt einen sehenswerten 60m-Sprint hin. Claudio Pizarro erledigt den Rest und Bremen steht im Achtelfinale.

Und sonst

  • Am 7. Dezember 1963 wird das Spiel des Hamburger SV gegen Borussia Dortmund wegen Nebels abgebrochen.
  • Rudi Völler erzielt am 7. Dezember 1984 einen lupenreinen Hattrick in 17 Minuten. Insgesamt trifft er beim 6:0-Sieg von Werder vier Mal.
  • Und nochmal Bremen: auf den letzten Drücker gelingt am 7. Dezember 2005 das Weiterkommen in der Champions League mit einem furiosen 5:1 gegen Panathinaikos Athen.

Geburtstage

  • Colin Hendry, 1965
  • Sean Dundee, 1972
  • Delron Buckley, 1977
  • Danny Latza, 1989

6.12. Lars Rickens spätes Tor gegen La Coruna

Die Deutschen mögen Wunder, ganz besonders Fußballwunder: man spricht immer noch vom Wunder von Bern obwohl es Anzeichen gibt, dass die Helden von Bern 1954 unter dem Einfluss verbotener Substanzen standen und Ungarn 3:2 schlugen und somit die BRD wieder zu jemandem machte. Als der Karlsruher SC 1993 auf Valencia im UEFA-Pokal traf, war die Aufgabe denkbar schwer für die Mannschaft von Winfried Schäfer, denn im Hinspiel unterlag man 3:1 und nur ein deutlicher Erfolg würde dem KSC helfen. Ein Erfolg wurde es und was für einer! 7:0. Edgar Schmitt, der 4 Tore erzielte, hieß daraufhin nur noch Euro-Eddy und Schäfer Winnie-Wahnsinn. Auch die Borussia aus Dortmund kann so einiges an Wundersamem und -vollem aus dem Europapokal-Nähkästchen plaudern.

Am 6. Dezember 1994 empfing der BVB Deportivo La Coruna zum Achtelfinal-Rückspiel im UEFA-Pokal. Auch hier war die Ausgangslage alles andere als günstig, La Coruna gewann 1:0 in einer umkämpften Partie. Dortmund musste also mit mindestens 2 Toren Unterschied gewinnen und am besten keines kassieren. Während der 90 Minuten der regulären Spielzeit schafften sie das auch, gingen durch Michael Zorc in Führung und erreichten die Verlängerung. Alles schien vorbei als Alfredo nach 102 Minuten Stefan Klos im Dortmunder Tor überlupfte und das wichtige Auswärtstor für den nordwestspanischen Club erzielte.

Jetzt spielte nur noch Dortmund, sie wollten es wenigstens versuchen. Dann war vier Minuten vor dem Ende Möller auf der rechten Seite frei und hatte Raum und Zeit für eine Flanke. In der Mitte wartete kein geringerer als Karlheinz Riedle und ließ dem Torhüter keine Chance, 2-1. Wenig später kam der Moment des Bodo Schmidt und ein gewisser Lars Ricken machte das erste Mal auf sich aufmerksam. Ein Freistoß von Höhe der Mittellinie wurde abgewehrt, aber Schmidt setzte energisch nach, gewann den Ball und tankte sich zum Strafraum durch. Im Video sieht sehr viel daran nach Zufall aus, ohne die Leistung in diesem Moment zu schmälern. Der Pass auf den mitlaufenden Ricken war perfekt. Der Ball rollte mit der richtigen Geschwindigkeit, der Winkel stimmte, Ricken musste nur noch ausholen und den Ball versenken. Mit leichter Rücklage traf er den Ball und für einen Moment schien die Zeit still zu stehen. Der Ball flog an die Unterseite der Latte, von dort ins Tor und zappelte. 3-1. Dortmund war durch. Ricken und seine Kollegen schrien ihre Freude raus und an der Seitenlinie hüpfte Ottmar Hitzfeld vor Freude. Die Südtribüne war eine fröhliche schwarz-gelbe Masse.

Die Spannung dieses Wettbewerbs ohne Gruppenphase war etwas ganz Besonderes. In der nächsten Runde, dem Viertelfinale, traf Dortmund auf Lazio und schaffte es bis ins Halbfinale. In den 1990ern gab es viele Spiele gegen Juventus. So auch 1995 und immer waren die Italiener die Glücklicheren. Zwei Jahre später war es erneut Ricken mit einem Traumtor, der Dortmund verzückte und diesmal war es Juventus, die den Platz als zweitbeste Mannschaft verließen. Auf dem Weg ins Finale der Champions League 2013 hatte Dortmund wieder ein Spiel, welches man als Wunder bezeichnen kann. Es waren wieder verrückte Minuten kurz vor Ende, um ein Weiterkommen gegen Malaga zu garantieren. Welches Spiel auch immer, späte Tore machen den Fußball interessant und tun dem Spiel genauso gut wie frühe Tore.

Und sonst

  • Am 6. Dezember 1992 machte Eric Cantona sein erstes Pflichtspiel für Manchester United gegen den Lokalrivalen City. In der 2. Hälfte wurde er eingewechselt.

Geburtstage

  • Jörg Heinrich (1969)
  • Tim Cahill (1979)
  • Nils Petersen (1988)
  • Felix Schiller (1989)

5.12. – Wutti

Der 5. Dezember 1989 markiert das Ende einer kleinen Ära beim 1. FC Kaiserslautern. Eine Suspendierung besiegelt den späteren Abschied von Wolfram Wuttke aus der Pfalz. Vorangegangen war ein Zerwürfnis mit FCK-Trainer Gerd Roggensack.

Wuttke, der sonst immer das Pech hatte, zur falschen Zeit zum richtigen Verein zu wechseln, hatte in Kaiserslautern seine erfolgreichste Zeit. Gekommen war er 1985 vom HSV, dem er sich 1983 just nach dem Gewinn von Meisterschaft und Europapokal der Landesmeister anschloss.

In Kaiserslautern war er nicht mehr länger Stürmer sondern Spielmacher und half Jahr für Jahr mit, die Klasse zu halten. An die erfolgreichen Jahre bei den Pfälzern konnte er nie mehr anknüpfen. Nach Wuttkes Abschied übernahm Kalli Feldkamp die Roten Teufel und führte sie prompt zur Meisterschaft.

In einem Beitrag bei Der Betze brennt wird die Ära Wuttke und seine Bedeutung für Verein und Fans sehr treffend und hautnah zusammengefasst.

Wolfram Wuttke starb im Alter von nur 53 Jahren im März 2015. Unvergessen werden neben seinem einzigartigen fußballerischen Talent auch seine Sprüche und Eskapaden abseits des Platzes bleiben. Die 11freunde erinnern sich postum an ein Interview und einige von Wuttkes Geschichten.

Geburtstage

  • Hans „Hennes“ Weisweiler, 1919
  • Fred Rutten, 1962
  • Peter Hyballa, 1975
  • Marcelo Zalayeta, 1978
  • Manuel Schmiedebach, 1988
  • Ondrej Duda, 1994

 

3.12. – Eintracht Frankfurt ohne 3

28.000 Zuschauer, je ein Tor von Thorsten Legat und Jan Furtok und am Ende ein 2:0 der Frankfurter Eintracht gegen den Hamburger SV. Ein ganz normales Bundesligaspiel im Winter 1994? Nicht ganz. Trainer Jupp Heynckes, zu Saisonbeginn mit viel Tamtam am Riederwald vorgestellt und zu jener Zeit “der mächtigste Trainer bei Eintracht Frankfurt” (Frankfurter Rundschau), spielte die Partie gegen die Gäste aus dem Norden ohne 3, hatte er doch am Tag zuvor die absoluten Leistungsträger Jay-Jay Okocha, Anthony Yeboah und Maurizio Gaudino suspendiert. Der Grund? Angeblich schlechte Trainingsleistungen, in Wahrheit wohl aber eher eine Machtdemonstration von Heynckes. Zwar gewann die Eintracht ohne ihre drei besten Offensivkräfte das anschließende Bundesligaspiel, nachhaltigen Erfolg hatten aber weder die Mannschaft noch der Trainer, jedenfalls nicht im Eintracht-Dress. Frankfurt wurde am Ende der Saison Neunter und musste im darauffolgenden Jahr erstmals aus der Bundesliga absteigen. Am Riederwald hält sich heute noch die Auffassung, dass die Suspendierung von Okocha, Yeboah und Gaudino dem Verein auf Jahre hinaus geschadet hat.

Und sonst:

  • Am 3. Dezember 2005 findet die größte Trauerfeier in der Geschichte Nordirlands statt. Ausgerichtet wird sie zu Ehren der nordirischen Fußball-Legende George Best, der wenige Tage vorher an einer Lungeninfektion starb. Best wurde 59 Jahre alt.

Geburtstage:

  • Flemming Povlsen, 1966
  • Christian Karembeu, 1970
  • David Villa, 1981
  • Christian Benteke, 1990

1.12. – Gol del Aguanis

Es gibt Tore, die sind einfach formvollendet. Einen Treffer, der zweifelsohne in diese Kategorie gehört, erzielte Raúl am 1. Dezember 1998.

Clarence Seedorf schlägt einen zentimetergenauen 60m-Diagonalpass. Auf diese Vorarbeit lässt Raúl exakt fünf Ballkontakte folgen. Gerade so viel wie nötig, um den Ball in vollem Lauf anzunehmen, zwei Verteidiger und den Torhüter aussteigen zu lassen und am Ende unbedrängt einzuschieben. Er entschied mit dem Tor in der 83. Minute das Weltpokalfinale gegen Vasco da Gama und unterstrich damit, damals noch mit zarten 21 Jahren, seine Rolle als Schlüsselspieler bei Real Madrid.

Das Tor zählt zu den bekanntesten Raúls und ist in Spanien als „Gol del Aguanis“ geläufig. Die Bezeichnung lässt sich nicht direkt übersetzen und stammt aus Raùls Zeit im Nachwuchsfußball. „Aguanis“ beschreibt den von Seedorf und Raúl ausgeführten Spielzug. Der Stürmer sprintet intuitiv Richtung Tor und ebenso intuitiv schlägt der Mittelfeldspieler den langen Pass.

Und sonst

  •  Am 1. Dezember 1989 verkündet der DFB, wer Nachfolger von Teamchef Franz Beckenbauer bei der DFB-Auswahl wird: Berti Vogts übernimmt den Trainerposten nach der WM 1990.
  • Am 1. Dezember 2001 läuft Davor Šuker das erste Mal für 1860 München in der Bundesliga auf. Er wird insgesamt nur 25 Spiele für die Münchner bestreiten.

Geburtstage

  • Tasso Wild, 1940
  • Karl-Heinz (Charly) Körbel, 1954
  • Klaus Thomforde, 1962
  • Salvatore „Totò“ Schillaci, 1964