Alle Artikel von Christoph Wagner

29. 09. – Konrad Koch wirft ein…

…und bald darauf befand sich Deutschland im Fußballfieber? Ganz so einfach war es nicht. Als im September 1874 Konrad Koch und August Herrmann auf dem Braunschweiger Exerzierplatz einen Ball zum Spiel freigaben, konnte niemand ahnen, dass damit eine Lawine ins Rollen gebracht werden würde. Dieser historische Anpfiff war der Auftakt zu einer langen und intensiven Beziehung der Deutschen zum Fußball.

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04.09. – 150 Jahre Sheffield Wednesday

150 Jahre sind eine lange Zeit, über die man viel erzählen und schreiben könnte. Wer sich mit der Geschichte des modernen Fußballs beschäftigt, schaut logischerweise nach England. Im Mutterland der schönsten Nebensache der Welt spielt die Stadt Sheffield eine bedeutende Rolle. Hier wurde 1867 einer der ältesten Clubs der Welt gegründet: Sheffield Wednesday.

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29. 06. – Brasilien gewinnt die WM in Schweden

Die Weltmeisterschaft in Schweden ist – wie jedes andere Turnier auch – reich an Geschichten. Bei der WM 1958 gab es den aufgehenden Stern des Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als Pelé. Im Finale gegen den Gastgeber erzielte er zwei Tore beim 5-2 Erfolg. 1958 wurde der bis heute gültige Torrekord eines Spielers während eines Turniers aufgestellt. Der Franzose Just Fontaine erzielte 13 Treffer. Was in anderen Fällen zum Titel gereicht hätte, brachte Frankreich einen 3. Platz. Im ‘kleinen Finale’ traf Fontaine noch ganze vier mal gegen den entthronten Weltmeister Deutschland und sicherte sich so den Goldenen Schuh des besten Torschützen.

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15.04. – Hillsborough 15. April 1989

Die Tragödie von Hillsborough war eine Zäsur. Sie veränderte nicht nur die Stadien, sondern bereitete den Weg für die Kommerzialisierung des Fußballs, wie er in den 1990er Jahren des letzten Jahrtausends begann und derzeit ungeahnte Blüten treibt. Hillsborough ist aber nicht nur Synonym für eine Katastrophe. Hillsborough steht für Misinformation durch die Polizei und andere offizielle Stellen, für eine gezielte Kampagne um Fußballanhänger, egal welcher Couleur, vorzuverurteilen und entsprechend zu behandeln.

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24. 12. – Der Weihnachtsfrieden 1914

Fußball im Niemandsland – Ein Mythos

Als im Juni 1914 das Attentat von Sarajevo das Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete und wenige Wochen später der 1. Weltkrieg das 20. einläutete, gingen alle beteiligten Kriegsparteien davon aus, dass dieser Waffengang gegen Ende des Jahres vorbei sein würde. Von einer Entscheidung konnte im Dezember 1914 jedoch keine Rede sein; vielmehr standen sich beide Seiten in einem unerbittlichen Stellungskrieg gegenüber. In der Historiographie wird im Zusammenhang mit der ersten Kriegsweihnacht sehr oft auch vom Weihnachtsfrieden gesprochen. Und davon, dass um diese Zeit im Niemandsland Fußball gespielt wurde. Letzteres soll Gegenstand dieses kurzen Textes sein.

Als Ausgangspunkt für diese kurze Episode des Waffenstillstands kann man eine Erklärung von Papst Benedikt XV. sehen, der am 7. Dezember die Kriegsparteien aufforderte, die Waffen während der Weihnachtszeit ruhen zu lassen. Sicher kann man diesen Wunsch nicht von der Hand weisen, denn christliche Nächstenliebe spielte wohl durchaus eine Rolle bei dieser überraschenden Fraternisierung im Niemandsland. Die zudem von den Befehlshabern ausdrücklich verboten wurde. Dennoch ist fraglich, ob dies tatsächlich der Auslöser war.

Britische und Deutsche Soldaten begraben ihre Kameraden im Dezember 1914

Britische und Deutsche Soldaten begraben ihre Kameraden im Dezember 1914

Die Berichte über den Weihnachtsfrieden gehen auseinander. Einige Quellen berichteten von ruhigen Frontabschnitten bereits im November 1914. Von einem Frieden zu sprechen, wäre dennoch unangebracht. Vielmehr ist diese Feuerpause als temporärer Waffenstillstand zu verstehen, der dazu genutzt wurde, Tote zu bergen und zu beerdigen sowie die Stellungen zu reparieren. Mitunter wurden Beerdigungen gemeinsam abgehalten und britische und deutsche Soldaten erwiesen ihren Kameraden die letzte Ehre. Die Nähe der Gräben ermöglichte eine nahezu normale Kommunikation, wodurch Unterhaltungen möglich waren. Die Voraussetzungen zum Austausch waren also gegeben und wurden auch genutzt. Nur so sind die spontanen Fraternisierungen im Niemandsland um die Weihnachtszeit im Jahr 1914 zu verstehen. Jedoch wurde jeder Versuch der Spionage mit dem Tode bestraft bzw. zog eine Gefangenschaft mit sich. Die Vorsicht war ein steter Begleiter.

In diesem Zusammenhang wurden und werden auch immer wieder Fußballspiele erwähnt, die zwischen formlosen Mannschaften beider Seiten stattgefunden haben. Es scheint fast so, als dürfe bei einer solchen Zusammenkunft von Briten und Deutschen auch der Fußball nicht fehlen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Krieg und Fußball seit 1914 zu den Anglo-Deutschen Beziehungen dazu gehören und das Weihnachtsfest von 1914 war somit der Ausgangspunkt dieser ganz besonderen Beziehung, die das 20. Jahrhundert prägte.

Auch hier ist wieder Vorsicht geboten, denn obwohl Fußbälle an der Front zu finden waren, fanden wohl keine Spiele zwischen britischen und deutschen Soldaten statt. Eher war es so, dass Soldaten der jeweils anderen Seite ihrem Gegner dabei zusahen, wie dieser spielte. Der Historiker Simon Jones hat sich sehr intensiv mit dem 1. Weltkrieg beschäftigt und kommt zu dem Schluss, dass die Spiele auch vielfach erfunden wurden, aus welchem Grund auch immer.

Obschon es zur Weihnacht 1914 an einigen Frontabschnitten friedlich zuging, ist es dennoch unangebracht, von einem Frieden zu sprechen. Eher sollte das Wort Feuerpause genutzt werden. Dass bis heute vom Weihnachtsfrieden gesprochen wird, lag an den Bedingungen: Weihnachten im ersten Kriegsjahr verbunden mit der Hoffnung, dass die Kämpfe alsbald ein Ende haben würden. In den Folgejahren kam es eben nicht zu solchen Szenen, wohl auch, weil der Krieg verbitterter geführt wurde. Aber nicht nur. Es liegt auch daran, dass beispielsweise in England jedes Jahr im November nahezu alle Fußball-Mannschaften mit einer Mohnblüte auf dem Trikot auflaufen, was erst vor Kurzem eine Strafe der FIFA für England und Schottland nach sich zog. Es liegt aber auch daran, dass in der Musik dieses Weihnachtsfestes auf höchst unterschiedliche Weise gedacht wird. Die bekanntesten Künstler, die sich dieses Themas angenommen haben sind beispielsweise Paul McCartney und die ebenfalls aus Liverpool stammende Band The Farm.

Geburtstage

  • Marcus Sorg (1965)
  • Gintaras Staučė (1969)
  • Marcelo Salas (1974)
  • Yıldıray Baştürk (1978)
  • Vieirinha (1986)
  • Theodor Gebre Selassie (1986)

23.12. Ein Weltmeister beim KSV Hessen

Shkodran Mustafi besucht die U13 des KSV Hessen

Nicht schlecht staunten die 20 U13-Kicker des KSV Hessen am 23. Dezember 2015 als plötzlich Shkodran Mustafi vor ihnen steht und locker „Hi, wie geht’s?“ fragt. Gekonnt nimmt er die Kinder an die Hand und lässt sich mit ihnen ablichten. Die ganze Aktion ist ein Geschenk ihres Trainer, Thorsten Fischer. Für Mustafi war es auch ein Besuch zu Hause, stammt er doch aus dem nordhessischen Bebra. Sein Halbbruder Luan spielt beim KSV und so konnte es Shkodran kurzfristig einräumen, beim Training vorbeizuschauen.

Es war eine Reise zu den Anfängen, sagt er. „So habe ich auch mal angefangen.“ Er erinnert sich, wie er nach einer 10:0 Niederlage von seinem Papa getröstet werden musste: „Ich habe nicht mehr aufgehört zu weinen. Mein Vater musste mich damals vom Platz holen.“ Der Besuch war für ihn auch ein Stück Rückbesinnung und Erdung nach einer aufregenden Phase als Profifußballer: „Hier hole ich mir ein Stück Bodenständigkeit.“ Natürlich gab er den jungen Talenten auch einen Rat mit auf den Weg: „Habt Spaß. Seid ehrgeizig.“ Denn von den Trainingsplätzen im nordhessischen Bebra sei es nur ein kurzer Weg in die großen Stadien, wusste er zu berichten. Nach einer Stunde war die Stippvisite vorbei und Shkodran fuhr nach Bebra zurück. Für die Kleinen war an diesem Nachmittag schon Weihnachten.

Und Sonst Noch

  • Am 23. Dezember 2011 wird Diego Simeone als neuer Trainer von Atlético Madrid vorgestellt. Ein halbes Jahr später gewinnt Atlético die Europa League und den UEFA Supercup, das Jahr darauf den spanischen Pokal. Wiederum nur ein Jahr später gewann man die spanische Meisterschaft sowie den spanischen Superpokal. Dazu kommen 2 verlorene Endspiele in der Champions League 2014 und 2016.

Geburtstage

  • René Tretschok (1968)
  • Michael Chopra (1983)

21.12. Der Prinz von River Plate

Jetzt oder Nie: River Plate gewinnt 2 Titel in 4 Tagen

Selten eröffnen sich im Fußball Möglichkeiten Titel zu gewinnen; derer gleich zwei zu erringen innerhalb von vier Tagen ist nahezu einmalig. Die Möglichkeit ergab sich im Dezember 1997 für River Plate mit ihrem Kapitän Enzo El Príncipe Francescoli. Dieser begann seine Karriere bei River Plate in den 1980ern bevor eine Europa-Tournee über RC Paris, Olympique Marseille, Cagliari und Torino ihn 1994 zurückbrachte ins Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti, dem Stadion von River Plate.

Das Ende seiner Karriere im Dezember 1997 ist schier unglaublich, war es Francescoli und River Plate doch vergönnt, zwei Titel nach Hause zu tragen. Am 17. Dezember 1997 spielte man gegen São Paulo im Finale der Supercopa Libertadores. Es war die letzte Auflage dieses Turniers und River Plate hatte diesen Titel noch nie gewonnen. São Paulo wurde 2-1 im eigenen Stadion geschlagen.

Das Weihnachtsfest wurde noch ein wenig besser: am 21. Dezember spielte River auswärts gegen die Argentinos Juniors und holte ein 1-1. Das aber reichte, um die Apertura zu gewinnen. Nicht nur errang man den 2. Titel in 4 Tagen, sondern schaffte auch ein Triple aus 3 Meisterschaften: River hatte bereits die Apertura 1996 sowie die Clausura 1997 gewonnen. Der Erzrivale Boca wurde 2. mit einem Punkt Rückstand. Einen besseren Jahres- und Karriereabschluss kann man sich fast gar nicht vorstellen. Aus heutiger Perspektive bemerkenswert, wie unprätentiös Francescolis Auswechslung in diesem Spiel über die Bühne ging.

Und sonst

  • Am 21. Dezember 1997 pariert Peter Schmeichel glänzend. Seine Rettungstat gegen Newcastle wird später zum „Save of the decade.“
  • Am 21. Dezember 2015 sperrt die Ethikkommission der FIFA Sepp Blatter wegen eines laufenden Ermittlungsverfahrens gegen ihn.

Geburtstage

  • Daniel Amartey, Leicester City (1991)
  • Andreas Narr, 1. FC Magdeburg (1963)

18.12. Deutschland – Albanien 1994

Pfiffe in Kaiserslautern

Deutschland und Albanien – da war doch was. Richtig, am 17. Dezember 1967 spielten beide Mannschaften in der EM-Qualifikation gegeneinander. Es war eine der größten Blamagen in der deutschen Fußballgeschichte. Die Mannschaft um Overath, Netzer und Held schaffte es nicht, ein Tor zu erzielen und verpasste dadurch die Endrunde 1968 in Italien; übrigens die einzige Endrunde, für die sich eine DFB-Auswahl sportlich nicht qualifiziert hat. Der Vize-Weltmeister von 1966 spielte nicht um den EM-Titel mit.

Fast auf den Tag genau 27 Jahre später kam es erneut zu einem Aufeinandertreffen beider Mannschaften in Kaiserslautern. Wieder war es die Qualifikation zur EM. Die Zeiten hatten sich dramatisch geändert: Jugoslawien war zerfallen und mitten in einem schlimmen Bürgerkrieg, aus 2 deutschen Staaten war einer geworden.

Bertis Rumpelfußballer taten sich schwer, obschon es vielversprechend begann. Bereits in der 8. Minute sorgte kein geringerer als Lothar Matthäus per Elfmeter für die Führung. Keine 10 Minuten legte Klinsmann nach. Eigentlich sollte damit alles klar sein. Doch weit gefehlt. Altin Rraklli verkürzt nach knapp einer Stunde auf 2-1 und die Vogts-Elf hangelt sich durch das Spiel. Dafür gibt es vom Kaiserslauterer Publikum heftige Pfiffe. Am Ende reichte es zur Qualifikation für die Endrunde in England 1996. Dort wurde man dann Europameister.

Und sonst

  • 18. Dezember 1993: Lothar Matthäus löst Karl-Heinz Rummenigge als Rekord-Spielführer der Nationalmannschaft ab.
  • Am 18. Dezember 2022 wird in Katar das Finale der 22. Fußballweltmeisterschaft stattfinden.

Geburtstage

  • Ernst Liebrich, 1923
  • Bernd Dörfel, 1944
  • Hans-Jörg Criens, 1960
  • Mario Basler, 1968
  • Santiago Cañizares, 1969
  • Karim Benyamina, 1981

16.12. Die Geburtsstunde des Europapokals

Gabriel Hanot veröffentlicht seinen Entwurf eines europäischen Pokalwettbewerbs

Als die englische Tageszeitung Daily Mail 1954 die Wolverhampton Wanderers nach Siegen gegen Spartak Moskau und Honved Budapest als beste Fußballmannschaft der Welt bezeichnete, konnte sich der französische Journalist und ehemalige Nationalspieler Gabriel Hanot nicht mehr zurückhalten ob der Arroganz der Engländer. Am 16. Dezember 1954 veröffentlichte er daraufhin in der französischen Sportzeitung L’Equipe einen Entwurf für einen europäischen Pokalwettbewerb, der alle Verbände umfassen sollte. Er lud des Weiteren Vertreter von 18 europäischen Vereinen nach Paris ein, die der Idee offen gegenüberstanden. FIFA und UEFA gaben ihr OK und Hanot arbeitete an seiner Idee und am Regelwerk. Dieses sah vor, dass die Clubs in 2 Spielen gegeneinander antreten sollten, in Hin- und Rückspiel im K.O.-System. Der Grundstein war gelegt für einen der populärsten Wettbewerbe in der Geschichte des Sports.

Das erste Turnier begann im Herbst 1955 mit 16 Mannschaften und endete am 13. Juni 1956 im Pariser Prinzenpark als Real Madrid gegen Stade Reims antrat. Es ging flott los: nach 14 Minuten waren drei Tore gefallen und Reims lag 2:1 vorn. Zur Pause schaffte Madrid den 2:2-Ausgleich ehe Michel Hidalgo nach 60 Minuten das dritte Tor für die Franzosen erzielte. Es sollte aber nicht reichen, zweimal schlug Real noch zu und war somit der erste Europapokalsieger der Fußballgeschichte. Interessanterweise nahmen keine Mannschaften aus der UdSSR und England teil. Chelsea wurde die Teilnahme von der Football Association untersagt, die russischen Mannschaften beteiligten sich bis 1967 nicht am Wettbewerb aufgrund des engen Spielplans bedingt durch den langen Winter.

Und sonst

  • Am 16. Dezember 1991 gibt Eric Cantona bekannt, dass er nicht länger Profifußball spielen würde. Vorausgegangen war eine Sperre, aufgrund einer Auseinandersetzung mit einem Schiedsrichter.
  • Am 16. Dezember 2014 gibt Thierry Henry sein Karriereende bekannt.

Geburtstage

  • Dennis Wise (1966)
  • Mats Hummels (1988)

6.12. Lars Rickens spätes Tor gegen La Coruna

Die Deutschen mögen Wunder, ganz besonders Fußballwunder: man spricht immer noch vom Wunder von Bern obwohl es Anzeichen gibt, dass die Helden von Bern 1954 unter dem Einfluss verbotener Substanzen standen und Ungarn 3:2 schlugen und somit die BRD wieder zu jemandem machte. Als der Karlsruher SC 1993 auf Valencia im UEFA-Pokal traf, war die Aufgabe denkbar schwer für die Mannschaft von Winfried Schäfer, denn im Hinspiel unterlag man 3:1 und nur ein deutlicher Erfolg würde dem KSC helfen. Ein Erfolg wurde es und was für einer! 7:0. Edgar Schmitt, der 4 Tore erzielte, hieß daraufhin nur noch Euro-Eddy und Schäfer Winnie-Wahnsinn. Auch die Borussia aus Dortmund kann so einiges an Wundersamem und -vollem aus dem Europapokal-Nähkästchen plaudern.

Am 6. Dezember 1994 empfing der BVB Deportivo La Coruna zum Achtelfinal-Rückspiel im UEFA-Pokal. Auch hier war die Ausgangslage alles andere als günstig, La Coruna gewann 1:0 in einer umkämpften Partie. Dortmund musste also mit mindestens 2 Toren Unterschied gewinnen und am besten keines kassieren. Während der 90 Minuten der regulären Spielzeit schafften sie das auch, gingen durch Michael Zorc in Führung und erreichten die Verlängerung. Alles schien vorbei als Alfredo nach 102 Minuten Stefan Klos im Dortmunder Tor überlupfte und das wichtige Auswärtstor für den nordwestspanischen Club erzielte.

Jetzt spielte nur noch Dortmund, sie wollten es wenigstens versuchen. Dann war vier Minuten vor dem Ende Möller auf der rechten Seite frei und hatte Raum und Zeit für eine Flanke. In der Mitte wartete kein geringerer als Karlheinz Riedle und ließ dem Torhüter keine Chance, 2-1. Wenig später kam der Moment des Bodo Schmidt und ein gewisser Lars Ricken machte das erste Mal auf sich aufmerksam. Ein Freistoß von Höhe der Mittellinie wurde abgewehrt, aber Schmidt setzte energisch nach, gewann den Ball und tankte sich zum Strafraum durch. Im Video sieht sehr viel daran nach Zufall aus, ohne die Leistung in diesem Moment zu schmälern. Der Pass auf den mitlaufenden Ricken war perfekt. Der Ball rollte mit der richtigen Geschwindigkeit, der Winkel stimmte, Ricken musste nur noch ausholen und den Ball versenken. Mit leichter Rücklage traf er den Ball und für einen Moment schien die Zeit still zu stehen. Der Ball flog an die Unterseite der Latte, von dort ins Tor und zappelte. 3-1. Dortmund war durch. Ricken und seine Kollegen schrien ihre Freude raus und an der Seitenlinie hüpfte Ottmar Hitzfeld vor Freude. Die Südtribüne war eine fröhliche schwarz-gelbe Masse.

Die Spannung dieses Wettbewerbs ohne Gruppenphase war etwas ganz Besonderes. In der nächsten Runde, dem Viertelfinale, traf Dortmund auf Lazio und schaffte es bis ins Halbfinale. In den 1990ern gab es viele Spiele gegen Juventus. So auch 1995 und immer waren die Italiener die Glücklicheren. Zwei Jahre später war es erneut Ricken mit einem Traumtor, der Dortmund verzückte und diesmal war es Juventus, die den Platz als zweitbeste Mannschaft verließen. Auf dem Weg ins Finale der Champions League 2013 hatte Dortmund wieder ein Spiel, welches man als Wunder bezeichnen kann. Es waren wieder verrückte Minuten kurz vor Ende, um ein Weiterkommen gegen Malaga zu garantieren. Welches Spiel auch immer, späte Tore machen den Fußball interessant und tun dem Spiel genauso gut wie frühe Tore.

Und sonst

  • Am 6. Dezember 1992 machte Eric Cantona sein erstes Pflichtspiel für Manchester United gegen den Lokalrivalen City. In der 2. Hälfte wurde er eingewechselt.

Geburtstage

  • Jörg Heinrich (1969)
  • Tim Cahill (1979)
  • Nils Petersen (1988)
  • Felix Schiller (1989)