04.02. – Die (fast) Unabsteigbaren!

Am 04. Februar 1899 gegründet, spielte der SV Werder Bremen bis auf eine Saison (1980/81) fast ausschließlich in der ersten Bundesliga. Dass dies auch aktuell der Fall ist, stand in den letzten Jahren schon mehrfach auf Messers Schneide. Doch wie konnte sich der Verein immer wieder aus der Schlinge befreien und selbst nach katastrophalen Spielzeiten die Klasse halten?

Schaffte in der Winterpause den Sprung aus der U23 zu den Profis und möchte nun möglichst zum Klassenerhalt beitragen – Ole Käuper. Foto: Karim El Boujdaini / Kebografie

von Karim El Boujdaini (Hinterhof des Henkers)
Woche: 29.01.2018 – 04.02.2018

Es ist der 8. Mai 2004, an dem Werder den FC Bayern München im eigenen Stadion demütigt und sich somit die Meisterschaft sichert. Drei Wochen später besiegte man Alemannia Aachen im Finale des DFB-Pokals und sicherte sich somit sogar das Double. Es sollte der Höhepunkt einer goldenen Zeit sein, in der Werder vor allem durch Aufritte in der Champions League, den ständigen Kampf um die Meisterschaft und berauschende Spiele im DFB-Pokal glänzte. Namen wie Klose, Ailton, Micoud, Mertsesacker oder Diego schienen auf den Anzeigetafeln der Nation. Es waren Zeiten, in denen an ein 0:0 schlichtweg nicht zu denken gewesen ist, da Werder für Spektakel gestanden hat.

Gerade mal sechs Jahre später sollte der Anfang vom Ende seinen Lauf nehmen. Qualifizierte man sich 2010 ein bis dato letztes Mal für den europäischen Wettbewerb, ging es in der Folgesaison eigentlich nur darum, die Klasse zu halten. Man schied zeitig im DFB-Pokal aus und auch in der Champions League war nach der Gruppenphase Schluss. In der Bundesliga konnte man erst am vorletzten Spieltag mit einem 2:0-Sieg über den BVB dafür sorgen, dass man auch in der Folgesaison Bundesligaluft schnuppern durfte.

Die Folgesaison 2011/12 sollte mit dem Pokal-Aus in der ersten Runde beim Drittligisten 1. FC Heidenheim beginnen. Zwar gab es einen kleinen Aufschwung in der Tabelle – eng war es mit dem Klassenerhalt aber dennoch. In den Folgejahren sollte sich der negative Trend dann kontinuierlich fortsetzen, in dem sich das große Zittern um den Klassenverbleib eigentlich fast immer bis zum (vor-)letzten Spieltag ziehen sollte. So auch in der Saison 2012/13, in der man erneut erst am 33. Spieltag mit einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt und dank Schützenhilfe des FC Bayern München den Klassenerhalt feiern sollte.

In den nächsten beiden Spielzeiten sollte sich über die Saison das gleiche Bild ergeben: Viele schmerzliche und teilweise auch heftige Niederlagen. Zwar sah es in der jeweiligen Abschlusstabelle nicht mehr so eng wie in den Vorjahren aus, was aber auch der teilweise sehr schwacher Konkurrenz im Tabellenkeller zu verdanken war. Der HSV sicherte sich 2013/14 mit gerade einmal 27 Punkten den Klassenerhalt über die Relegation – so wenig Punkte haben bis dahin noch nie gereicht, um die Klasse zu halten.

Die Saison 2015/16 ist sportlich mit einer Achterbahnfahrt zu vergleichen. Im DFB-Pokal schaffte man es endlich mal wieder, an alte Zeiten anzuknüpfen und erreichte sogar das Halbfinale, in dem man erst gegen den FC Bayern München scheitern sollte. Im Ligaalltag legte man dafür aber fast wöchentlich ein Armutszeugnis ab. Ganze 16 Niederlagen sollten am Ende der Saison zu Buche stehen. Kein Wunder also, dass man diesmal sogar bis zum letzten Spieltag und eigentlich sogar bis zur letzten Minute zittern musste. Erst ein spätes Tor in der 87. Minute sorgte letzten Endes im absoluten Abstiegsendspiel gegen Eintracht Frankfurt für den Klassenerhalt.

Die letzte Saison ist eigentlich mit einer Berg- und Talfahrt zu vergleichen. Das Ausscheiden im DFB-Pokal in der ersten Runde und die vier Niederlagen am Stück zum Beginn der Bundesliga machten dem eingefleischten Werder-Fan nicht viel Mut auf bessere Zeiten. Eine zwischenzeitliche Serie von elf Spielen ohne Niederlage und erfrischender Offensivfußball erinnerten sogar an längst verstrichene Tage in der Bundesliga. Hätte man die letzten drei Saisonspiele nicht allesamt verloren, wäre man in der aktuellen Saison sogar in der Europa League vertreten gewesen.

An sich eigentlich gute Zeichen für die neue, jetzige Spielzeit. Doch es lief gar nichts. Zwar überstand man die erste Runde im DFB-Pokal – in der Liga blieb man bis zum 4:0 über Hannover am 12. Spieltag gänzlich sieglos.

Doch wieso ist es seit Jahren überhaupt so, wie es ist? Die Gründe sind eigentlich relativ offensichtlich. Es fehlt an den ‚großen‘ Namen, die man damals noch in großer Stückzahl im Kader hatte und selbst Spieler, die sich auf Dauer genauso hätten entwickeln können wie zum Beispiel ein Mesut Özil, oder Diego damals, sind nicht mehr in den Reihen der Bremer zu finden. Und selbst wenn man mal einen guten Fang auf dem Transfermarkt landet, sind die Spieler meist nach knapp einem Jahr wieder weg – siehe Levin Öztunali oder Serge Gnabry. Vielmehr liegt man daneben, wenn es um neue Spieler geht. Vor ein paar Jahren waren es unter anderem Carlos Alberto (7,8 Mio €), Marko Marin (8,5 Mio €), Wesley (7,5 Mio €), Mehmet Ekici (5 Mio €), Marco Arnautovic (6,5 €), Eljero Elia (5,5 €), Denni Avdic (2,2 Mio €) – in näherer Vergangenheit waren es eben Ludovic Obraniak (2 Mio €), Aron Jóhannsson (4,5 Mio €), Sambou Yatabare (2,5 Mio €), oder eben Fallou Diagne (1,5 Mio €) die allesamt nicht glücklich wurden und kaum zu Einsätzen kamen. Doch nicht nur an den Transfer-Flops lässt sich die andauernde Misere festmachen – es ist zum anderen auch der viel beschworene Werder-Weg, bei dem nahezu jede Position mit jemanden besetzt wird, der schon mal irgendwie bei Werder tätig war. Bestes Beispiel ist da wohl die Position des Cheftrainers, die innerhalb von drei Jahren drei Mal hintereinander mit dem Cheftrainer der eigenen U23 besetzt wurde. Erst Viktor Skripnik, dann mit Alexander Nouri und inzwischen mit Florian Kohfeldt – folgt diesen Herbst vielleicht Oliver Zapel, der aktuell die U23 trainiert? Man mag es sich nicht ausmalen, wenn man den kommenden Saisonstart ebenso verschlafen sollte wie diesen.

Werder versucht sich mit dem viel beschworenen Werder-Weg treu zu bleiben, doch er funktioniert schlichtweg nicht. Die ‚dicken Jahre‘ sind vorbei und auch Geschichten wie die, dass Thomas Schaaf vom Jugendspieler zum langjährigen Cheftrainer reifte, sind eine Ausnahme und nicht die Regel. Es wird Zeit, dass Werder aufwacht und endlich mal neue Impulse von außen zulässt. Sonst führt der Werder-Weg vielleicht irgendwann direkt in die zweite Liga.

Geburtstage in der Woche vom 29. Januar bis 4. Februar

  • 29.01.: Thomas Broich (1981)
  • 30.01.: Arda Turan (1987)
  • 31.01.: Dominik Kohr (1994)
  • 01.02. Alfred Finnbogason (1989)
  • 02.02.: Omar Mascarell (1993)
  • 03.02.: Kamil Glik (1988)
  • 04.02.: Heiner Backhaus (1982)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung aus der letzten Woche: Gesucht war die Partie des Halleschen FC gegen den 1. FC Magdeburg. Die Gäste gewannen am 24.01.2016 mit 2:1. Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen!

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