21.01. – Ausgepfiffen. Robert Hoyzer tritt zurück

Robert Hoyzer ist die Schlüsselfigur im Fußball-Wettskandal 2005. Sein Name ist zum Synonym und Schimpfwort für Betrug und Schummelei auf dem grünen Rasen geworden. Am 21. Januar 2005 tritt er zurück – doch damit geht die Geschichte eigentlich erst richtig los.

Von Ralf Lieschke
Woche vom 15. Januar bis 21. Januar

Es ist ein ungeheuerlicher Verdacht, der im Januar 2005 plötzlich im Raum steht. Robert Hoyzer, damals Mitte 20 und aufstrebender Stern am deutschen Schiedsrichterhimmel auf dem Wege in die Bundesliga, soll in die Manipulation von Fußballspielen verwickelt gewesen sein. So zumindest stellen es vier seiner Kollegen dar, die sich zu diesem Zeitpunkt ihren Vorgesetzten beim DFB anvertrauen und von ihrem Verdacht gegen Hoyzer berichten. Als diese Vorwürfe bekannt werden, tritt Hoyzer – die Vorwürfe zunächst noch bestreitend – am 21. Januar zurück, die Nennung als Schiedsrichter auf der Internetseite seines Stammvereins Hertha BSC verschwindet kommentarlos.

Zu diesem Zeitpunkt war längst nicht klar, welche Ausmaße dieser Skandal annehmen würde. Klar war nur, dass im Gegensatz zum legendären Bundesliga-Skandal 1970/71, bei dem es „nur“ zu Absprachen und Bestechungen zwischen Spielern und Funktionären gekommen war, die Beteiligung eines Schiedsrichters an Spielmanipulationen eine völlig neue Dimension bedeutete. Plötzlich war ausgerechnet die Person, die auf dem Platz Neutralität verkörpern und auf die Einhaltung der Regeln achten sollte, mittendrin in einem Geflecht dubioser Machenschaften, das sich Krimiautoren kaum spannender hätten ausdenken können. Es war beeindruckend, was in den nächsten Tagen und Wochen ans Licht kommen sollte und vor welche Schwierigkeiten nicht nur der Verband im Rahmen der Aufarbeitung gestellt werden würde.

Am Ende waren es mehrere Partien der Spielzeiten 2003/04 und 2005/06, in denen Hoyzer Manipulationen im Sinne seiner Auftraggeber aus dem Berliner „Cafe King“ vorgeworfen wurden. Darunter als prominenteste Fälle das DFB-Pokalspiel des SC Paderborn gegen den Hamburger SV, in dessen Folge der DFB eine sechsstellige Entschädigung zahlte und obendrein ein Länderspiel an die Elbe gab sowie die später aufgrund nachgewiesener Manipulation Hoyzers wiederholte Zweitligapartie Ahlen gegn Burghausen. Andere Spiele, bei denen Betrugsversuche erfolglos blieben oder nicht nachgewiesen werden konnten, blieben in der Wertung. Obendrein geriet durch Hoyzers Aussage auch der Schiedsrichterkollege Dominik Marks ins Visier der Ermittler, dem ebenfalls Manipulationen nachgewiesen werden konnten.

Für Hoyzer und Marks bedeutete der Skandal wenig überraschend das Ende der Schiedsrichterkarriere, auch beim DFB blieb in Sachen Schiedsrichterwesen kaum ein Stein auf dem anderen, um derartige Skandale für die Zukunft wirksamer ausschließen zu können. Auch zivilrechtlich blieb der Betrug nicht folgenlos. Während Marks mit einer Bewährungsstrafe noch vergleichsweise glimpflich davon kam, blieb Hoyzer eine zweieinhalbjährige Haftstrafe nicht erspart. Auch Hintermann Ante Sapina musste den Weg in die JVA antreten, wo Resozialisierungsversuche allerdings nicht von Erfolg gekrönt waren – auch in den nächsten großen Wettskandal 2009 war er gemeinsam mit seinem Bruder Milan verwickelt.

Nach seiner Haftentlassung im Jahre 2008 blieb Robert Hoyzer dem Fußball zunächst fern – nicht zuletzt auf Grund einer vom DFB ausgesprochenen lebenslangen Sperre. Erst nachdem Präsident Theo Zwanziger drei Jahre später einem Gnadengesuch Hoyzers entsprach, begann dieser eine neue Karriere – als Amateurkicker bei unterklassigen Berliner Vereinen. Darüber hinaus versuchte er sich bei den Regionalligisten Berliner AK und Viktoria Berlin als Funktionär. Richtig von Dauer waren diese Engagements bisher freilich nicht – im Herbst 2017 nahm Robert Hoyzer seinen Hut bei der Viktoria.

Weiterlesen:

Geburtstage in der Woche vom 15. bis 21. Januar

  • 15.01.: Rene Adler (1985)
  • 16.01.: Nicklas Bendtner (1988)
  • 17.01.: Alex Meier (1983)
  • 18.01.: Nacho Fernández (1990)
  • 19.01.: Matthias Ginter (1994)
  • 20.01.: Davie Selke (1995)
  • 21.01.: Simon Rolfes (1982)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie Charlton Athletic – FC Millwall aus der letzten Saison der League One. Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis:

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