08.01. – Zu Besuch in Hütteldorf

Am 8. Januar 1899 wurde der SK Rapid Wien gegründet. Erinnerungen an einen Besuch im altehrwürdigen Gerhard-Hanappi-Stadion.

Von Alex Schnarr (120minuten)
Woche vom 8. Januar bis 14. Januar

Es ist Ende März, es ist eigenartigerweise verdammt warm und es ist außerdem ein langes Wochenende, das uns einen Ausflug ins wunderschöne Wien beschert. Selbstredend, dass neben dem Besuch einer alten Freundin und den üblichen Touri-Touren auch ein Fußballspiel auf dem Programm stehen muss. Der Spielplan meint es gut, ein Abstecher nach Favoriten bleibt uns erspart. Stattdessen winkt das altehrwürdige Gerhard-Hanappi-Stadion, lädt der SK Rapid zum Heimspiel gegen Sturm Graz und heißt das Reiseziel am 29.03.2014 also Wien-Hütteldorf.

Am entsprechenden Bahnhof angekommen, wählen wir gefühlt den längstmöglichen Fußweg zur Arena. Nicht, weil es uns die Umgebung so angetan hätte, sondern weil wir auf die Gegengeraden-Seite müssen, wieder mal unheimlich clever sein wollen und dementsprechend eine kleine (De-)Tour durch Hütteldorf in Kauf nehmen, um schließlich die Nordtribüne des 1977 eröffneten, städtischen Stadions zu erreichen. Namensgeber Gerhard Hanappi hatte einst selbst für Rapid gekickt, 93 Mal das Trikot der österreichischen Nationalmannschaft getragen, sich nach der Sportlerkarriere der Architektur gewidmet – und eben jenes Stadion konzipiert, vor dessen Toren wir nun stehen. Eine Vereinslegende, die ihrem Club eine Spielstätte baut – mehr Fußballromantik geht wohl kaum.

Heute werden sich knapp 15.000 Menschen im weiten Rund versammeln, davon ein ganz ordentlicher Haufen aus Graz, der bereits ordentlich Alarm macht, als wir eine gute halbe Stunde vor Spielbeginn die Tribüne betreten. Das deutsche Auge staunt nicht schlecht, als der Anpfiff nicht nur den Spielbeginn, sondern auch den Start zu einer im Prinzip kontinuierlichen Pyroshow markiert, bei der sich die Ultras Rapid (rechterhand) mächtig austoben, aber auch der Gästeblock und ein zweiter Rapid-Stimmungsblock (linkerhand) sich nicht lumpen lassen. Der Stadionsprecher hatte zuvor zwar das Schiedsrichtergespann mit allen jemals erworbenen akademischen Graden begrüßt, hält es aber nicht für nötig, die Kurven ob des Einsatzes von reichlich Rauch und Feuer in irgendeiner Form zu maßregeln. Angenehm. So geht es also auch.

Das Spiel nimmt seinen Lauf und ist im Prinzip nach guten 10 Minuten entschieden. Kapitän Steffen Hofmann hatte in der siebenten Minute einen Freistoß direkt versenkt, zwei Zeigerumdrehungen später stellte Mario Sonnleitner auf 2:0. Die restlichen 80 Minuten plätschern so dahin und das einzig Unterhaltsame sind zwei ältere Herrschaften hinter uns, die sich in breitestem Wiener Dialekt und wüstestens schimpfend über einen gewissen Terrence Boyd auslassen, der an diesem Nachmittag für Rapid den Mittelstürmer gibt. Die österreichischen Leser*innen mögen es verzeihen, aber: Auch wenn der Groll offenbar mächtig groß war, klingt Fußball-Gepöbel in der lokalen Mundart einfach nur herzig. Ich hätte ewig zuhören können.

Was hat das alles nun aber mit einem Kalenderblatt im Januar zu tun?

Nun, seit 1903 durchgängig erstklassig (Grüße nach Hamburg) und mit bisher 32 Liga-Titeln österreichischer Rekordmeister, gehört der SK Rapid Wien zu den absoluten österreichischen Traditionsvereinen. Den Namen “Rapid” erhielt der Verein am 8. Januar 1899 (!), dieser Tag gilt mithin als offizielles Gründungsdatum. Tatsächlich ist der Club sogar noch älter und betrat am 22. Juli 1897 unter dem Namen “1. Wiener Arbeiter-Fußball-Club” erstmals die österreichische Fußballbühne. Die Anfangsjahre des Arbeiter-FC waren allerdings nur von mäßigem Erfolg gekrönt; die sehr ausführliche Wikipedia-Seite zum Club weist in 19 Spielen mit einem Torverhältnis von 13:107 nur einen einzigen Sieg aus. 4:1 schlug man da Vindobona Wien, den späteren SK Admira, der heute als FC Admira Wacker Mödling firmiert. “Admira! Wacker! Sexy Motherfucker!” – Ihr wisst schon. Es ist kompliziert.

Inzwischen ist nicht nur der Gegner, gegen den man seinerzeit noch als Arbeiter-FC den ersten Sieg der Vereinsgeschichte erringen konnte, sondern auch das Gerhard-Hanappi-Stadion längst Geschichte. An seiner Stelle steht heute das Allianz Stadion, das am 16. Juli 2016 mit einem 2:0-Erfolg des SK Rapid über den FC Chelsea eingeweiht wurde und dem Verein, wie das im modernen Fußball heute so üblich ist, zu neuen Höhen verhelfen soll.

An den Besuch im März 2014 denken wir trotzdem noch gern zurück und freuen uns, nicht nur einen Länderpunkt, sondern auch ein gutes Stück österreichischer Fußballtradition mitgenommen zu haben. Happy Birthday, SK Rapid – auf die nächsten 119!

Geburtstage in der Woche vom 8. bis 14. Januar

  • 08.01.: David Silva (1986)
  • 09.01.: Juanfran (1985)
  • 10.01.: Marcel Tisserand (1993)
  • 11.01.: Leroy Sané (1996)
  • 12.01.: Emre Can (1994)
  • 13.01.: Tomás Rincón (1988)
  • 14.01.: Dennis Aogo (1987)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie Wimbledon FC gegen den FC Arsenal aus dem Jahr 1994. Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

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