Advent in den Blogs – Der Fußball-Weihnachtskalender, Tür 4

Mark E. Smith liest Fußballergebnisse

Um einen Einstieg in den nachfolgenden Text zu bekommen, muss ich noch einmal auf das Thema WM-Songs zurückkommen. Den offiziell abgesegneten Songs steht selbstverständlich eine schiere Masse unoffizieller Songs gegenüber. Darauf will ich aber nicht weiter eingehen, sondern nur ein Stück herausgreifen, das für mich wohl das beste Stück Musik ist, was je im Zuge einer Weltmeisterschaft veröffentlicht worden ist.


Von Clemens Kurek (@berlinscochise)

Die Rede ist vom Stück „England’s Heartbeat“ der Formation Shuttleworth aus dem Jahr 2010, geschrieben für die WM in Südafrika. 2014 wurde das Stück für die WM in Brasilien unter dem Titel „England’s Heartbeat (Brazilian Ambush)“ erneut veröffentlicht.

Wer sind nun aber Shuttleworth?
Hinter dem Namen verstecken sich Ed Blaney, ehemaliger Gitarrist von The Fall, Jenny Shuttleworth, von der Band Girl Peculiar, und der große Mark E. Smith, Sänger, Kopf und Mastermind der Begründer des englischen Post-Punk, The Fall.

Wieso nehmen die einen WM Song auf?
Das habe ich mich 2010 auch gefragt. Die Antwort ist relativ simpel. Die FA hatte sich damals an das Plattenlabel von Mark E. Smith gewandt, verbunden mit der Bitte, einen Vorschlag für einen offiziellen Song einzureichen. Parallel dazu hatte sich die FA auch noch an vier weitere Künstler_innen gewandt. Mark E. Smith hat sich darauf mit Ed Blaney und Jenny Shuttleworth zusammengetan und „England’s Heartbeat“ geschrieben. Doch irgendwann im Frühjahr 2010 entschied sich der englische Fußballverband, keinen offiziellen WM-Song zu veröffentlichen. Zum Glück für die Fans von The Fall und allen anderen Musikliebhabern veröffentlichten Shuttleworth den Song trotzdem.

Und wie klingt das Lied jetzt?
 So!

Es enthält alle Elemente, die ich an der Musik von Mark E. Smith so schätze, sein gebellter Gesang, das billige Schlagzeug und die catchy Gitarrenlicks. Aber was wirklich zu Herzen geht, ist der Text. Das Lied beginnt mit „It’s not 1974. It’s not 1976. / And you’re not on Stamford Bridge. / You’re on a Boer Ridge.“ Dem Stück fehlt jegliche Atittüde im Sinne von „Wir sind die Größten“. Stattdessen bringt es die Chancen und Risiken zum Ausdruck, die für die Spieler mit einer WM-Teilnahme verbunden sind. Direkt an die Spieler gehen die Aufforderung „Take care of the invention of your nation“ und „Socks up at last or Brazilian breakfast“. Das hat jemand geschrieben, der gelernt hat mit dem englischen Fußball zu leiden, aber trotzdem immer noch dabei bleibt. Und im Refrain singt der Chor dann „For your heartbeat, never wanders, like a rainbow, through a storm, we are born, with a heartbeat sent from heaven, when you’re losing your dreams, hold on tight, and think.. ENGLAND…“. Mir treibt das beim Hören jedes Mal Tränen in die Augen und das, obwohl mir der englische Fußball relativ egal ist.

Aber dieses Stück Musik ist nicht die einzige Verbindung von Mark E. Smith zum Fußball. Er ist Fan von Manchester City, aber nur deshalb, weil sein Vater Fan von United war. Und mit seiner Band The Fall veröffentlichte er 2003 das Stück „Theme from Sparta FC“.

Dieser Song wurde in den Jahren von 2005 bis 2009 als Theme Song der BBC-Sendung „Final Score“ verwendet. „Final Score“ ist eine Sendung, in der seit 1958 an jedem Samstagnachmittag, um 17 Uhr, die Fußballergebnisse aller wichtigen Ligen präsentiert werden.
Am 19. November 2005 wurde Mark E. Smith dann diese Ehre zuteil. Und er meisterte diesen Aufgabe in unnachahmlicher Art und Weise. Dank des Internets ist auch diese Perle des britischen Sportjournalismus immer noch einsehbar.

Mark E Smith Reads The Football Results from Near Perfect Pitch on Vimeo.

Smith war mit seinem Auftritt zufrieden. In einem späteren Interview erinnerte er sich:

„I read the proper team names out and in Ireland and Greece they really appreciated that. Because when they come up it was like Bolton, Crewe, Chester, you know what I mean? The way it is now when you put a game on it’s like ARS versus URR. Why can’t they write the proper names up? And you’re supposed to know. That’s what the football results were like, if you remember, before me. Abroad, that’s why they love it. You get taxi drivers in Greece, their favourite team is Olympikakos but their main team is Aston Villa, you know what I mean? Or what’s the real name of Arsenal? Woolwich Arsenal. I gave it the full ‘Bolton Wanderers.’“

Das ist das Schöne an Großbritannien. Dagegen geht man im deutschen Fernsehen lieber auf Nummer sicher und lässt Musiker wie Mark Forster höchstens mal Glücksfee bei der Auslosung des DFB-Pokal-Viertelfinales spielen.

England, Du hast es da eindeutig besser!

Beitragsbild: „Jukebox“ von Alexis O’Toole via Flickr | Lizenz: CC BY-SA 2.0

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Tür 5 öffnet sich morgen auf dem Zebrastreifenblog.

Der Fußball-Weihnachtskalender ist ein gemeinsames Projekt von @berlinscochise, Zebrastreifenblog, Cavanis Friseur, turus.net, Nachspielzeiten und 120minuten.

Informationen zur Fußballblog-Weihnachtskalender-Idee und eine Liste mit allen bisherigen Türchen, die natürlich fortlaufend aktualisiert wird, findet Ihr hier.

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