19.10. – „Oh Hampden in the sun“

Wenn ein paar Celtic-Fans auf ein paar Pints zusammen sind und Lieder singen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann einer von ihnen ein besonderes Liedchen anstimmen: „Oh Hampden in the sun, Celtic seven and the Rangers one…“, nach der Melodie von Harry Belafontes 50er-Jahre-Hit „Island in the sun“…

Von Ralf Graf (ballreiter.futbol)
Woche vom 16. Oktober bis 22. Oktober

Die Zeit zwischen 1937 und 1965 war eine der wenig erfolgreichen Epochen in der Geschichte des ruhmreichen Celtic FC aus Glasgow. Sie sah mit dem Ende der 43-jährigen(!) Trainertätigkeit von Willie Malley das Ende einer seit der Vereinsgründung 1887 andauernden Erfolgsgeschichte (19 Meisterschaften und 15 Pokalsiege). Nur eine einzige Meisterschaft konnte in den 28 Jahren von 37 bis 65 in die Geschichtsbücher eingetragen werden.

Der legendäre Stürmer Jimmy McGrory, Celtics Tormaschine der 20er- und 30er-Jahre, hatte 1945 den Trainerposten vom „Kriegszeittrainer“ Jimmy McStay übernommen. McGrory gelang es zwar, mit dem Meistertitel 1954 nach 16 titellosen Jahren endlich wieder „Silverware“ ins Glasgower East End zu holen, die Mannschaft und der Klub waren aber in keinem guten Zustand. Klub-Chairman Robert Kelly verpflichtete Spieler über den Kopf des Trainers hinweg und hatte dabei kein gutes Händchen. Die Bhoys mussten sich hinter dem Dauer-Lokalrivalen Rangers und den beiden Teams aus der Hauptstadt Edinburgh, Hibernian und Heart Of Midlothian, einordnen. Und sich sogar mit Aberdeen, Kilmarnock und Co. um die Verfolgerplätze balgen.

Immerhin gelang es McGrorys Team, das selten über mehrere Monate konstant gut spielte, in den Pokalwettbewerben stets weit zu kommen. Zweimal (’51 und ’54) sprang dabei der schottische Pokal heraus, und 1956/57 auch der Ligapokal. Letzterer wurde damals bereits zu Beginn der Saison von August bis Oktober ausgespielt. So auch im Oktober 1957 für die Saison 1957/58.

Die beiden Old-Firm-Rivalen Celtic und Rangers waren Seite an Seite in ihr erstes Old-Firm-Endspiel seit 30 Jahren marschiert. Das, wie heute auch, auf neutralem Grund in Glasgows Hampden Park ausgetragen wurde. Die Rangers, Meister der Saison 1956/57, galten als haushohe Favoriten und jeder erwartete, dass sie sich nach der Meisterschaft den nächsten silbernen Pott sichern würden. Für Celtic war es schon ein Erfolg, überhaupt das Finale erreicht zu haben.

Bereits das für Schottland untypische Wetter mit strahlendem Sonnenschein deutete am Endspieltag an, dass an jenem 19. Oktober 1957 im mit über 82.000 Zuschauern wie immer prall gefüllten Hampden Park etwas Besonderes passieren sollte. Im Fußball gibt es immer wieder diese Spiele, in der sich eine Mannschaft für einmal „fand“ und ein Spiel hinlegte, das sie so nie wieder hinbekommen sollte. Jenes Finale an diesem sonnigen 19. Oktober in Hampden war so eins.

Celtic kannte vom Anstoß weg nur eine Richtung: Richtung Tor der Rangers. In den ersten 20 Minuten trafen die Bhoys dreimal das Torgestänge. In der 23. Minute eröffnete Sammy Wilson mit dem 1:0 den Torreigen. Der Meister Rangers wusste gar nicht, wie ihm geschah, und versuchte, seine Abwehr zu ordnen und hatte das fast geschafft, als mit Halbzeitpfiff Außenstürmer Neil Mochan das 2:0 erzielte.

Die zweite Halbzeit sah das „Spiel des Lebens“ von Mittelstürmer Billy McPhail. Der war eigentlich Damenfriseur von Beruf und versuchte sich ab 1956 als Fußballprofi. In der 53. Minute erzielte er per Kopf das 3:0, das die Rangers kurz drauf mit dem 3:1-Anschlusstreffer durch Billy Simpson konterten.

Die Aufholjagd blieb aber aus, stattdessen brachen alle Dämme. Die Bhoys in Grün und Weiß spielten sich in einen Rausch und verpassten ihren Rivalen die höchste Niederlage, die je in einem britischen Finale kassiert wurde. In ihrer gesamten Geschichte haben die Rangers in einem Pflichtspiel nie mehr Gegentore kassiert. McPhail wechselte sich mit Mochan mit dem Tore schießen ab und schraubte das Ergebnis mit zwei weiteren Kopfballtreffern auf 6:1 hoch, ehe Willie Fernie in der Schlussminute per Elfmeter den 7:1-Endstand herstellte. Rangers-Torhüter George Niven musste sich danach Spott gefallen lassen: „What’s the time?“ „Its Seven past Niven!“

Die zeitgenössischen Berichte überschlugen sich mit Superlativen. Der Glasgow Herald schrieb nach dem Spiel: „Eleven football players of Celtic Football Club did more in 90 minutes at Hampden Park on Saturday for the good of football than officialdom, in whose hands the destiny of the game lies, has done in years and years. […] Not since their brilliant Coronation Cup days at Hampden have Celtic played football of such quality.“

Für Celtic sollte dieses Jahrhundert-Finale ein einsamer Höhepunkt in den 28 „finsteren“ Jahren bleiben. Erst 1965, mit Beginn der Amtszeit des legendären Trainers Jock Stein, begann die glorreichste Phase der Vereinsgeschichte mit dem Aufbau jener Mannschaft, die zehnmal Meister und als „Lisbon Lions“ Sieger des Europapokals der Landesmeister werden sollte.

Dem Hattrick-Torschützen Billy McPhail brachte das Finale kein Glück, zwei Jahre später musste er nach einer schweren Knieverletzung seine Karriere beenden. Unglücklich lief es auch für seinen Gegenspieler in der Rangers-Abwehr, Johnny Valentine, der nach seiner Final-Vorstellung nie mehr für Rangers spielen sollte und seine Karriere nach zwei Jahren bei St. Johnstone beendete.

Den Celtic-Fans blieb dieses Finale wegen der besonderen Umstände und der Packung für den Erzfeind Rangers natürlich für immer im kollektiven Fan-Gedächtnis. Wie gesagt, es war für schottische Verhältnisse ein außergewöhnlich sonniger Tag in Hampden und so dichteten sie auf die Melodie des zeitgenössischen Harry-Belafonte-Hits „Island in the sun“ das Lied „Oh Hampden in the sun“, das noch heute gerne bei passender Gelegenheit angestimmt wird und die Erinnerung an jenes sensationelle Spiel aus dem Jahre 1957 wach hält:

„Oh Hampden in the Sun,
Celtic seven and the Rangers one,
All my days I will sing in praise,
of the Celtic team that played that day…“

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  • 21.10.: Jonathan Viera (1989)
  • 22.10.: Stefan Radu (1986)

Wer gegen wen?

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Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war das Frauen-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden am 14. Oktober 2004. Die Partie endete 0:0. Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

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