09.10. – Der unsterbliche Moment der Nia Künzer

Das “Golden Goal” von Nia Künzer im Frauen-WM-Finale machte Deutschland zum Weltmeister. Aber nicht nur: Das Tor hat für die Spielerin und den Frauenfußball viel verändert.

Weltmeisterin Nia Künzer arbeitet heute u.a. als ARD-Expertin.

von Oliver Leiste
Woche vom 9. Oktober – 15. Oktober

Es sind diese ganz besonderen Sportmomente, die sich tief in das kollektive Gedächtnis einer Nation einbrennen: Boris Beckers Sieg in Wimbledon 1985 etwa, Kati Witts Olympiasieg in Calgary drei Jahre später oder der tränenüberströmte Gewichtheber Matthias Steiner, der 2008 in Peking Olympisches Gold gewann. Auch die Fußballerin Nia Künzer hat Deutschland einen solchen Moment für die Ewigkeit beschert. Am 12. Oktober 2003 erzielte sie im Finale der Frauen-Weltmeisterschaft den Siegtreffer gegen Schweden. Per Kopf traf sie in der 98. Minute in Carson/ Kalifornien.

Das Tor war gleich in mehrerlei Hinsicht historisch. In einem internationalen Spiel war es das bislang letzte “Golden Goal” der Fußballgeschichte. Die Regel, dass ein Fußballspiel mit dem ersten Treffer in der Verlängerung automatisch endet, war erst zehn Jahre zuvor eingeführt worden. Unmittelbar nach der WM 2003 wurde sie wieder abgeschafft. Zudem sorgte das Tor für den ersten WM-Titel der deutschen Fußballfrauen. Einige Monate später gewann Nia Künzer auch die Abstimmung zum “ARD-Tor des Jahres” – als bislang einzige Frau.

Tor sorgt für Aufmerksamkeitsschub

Die Bedeutung des Tores liegt aber nicht nur im damit verbundenen WM-Titel, sondern reicht viel weiter. Durch den Erfolg genoss der Frauenfußball erstmals deutschlandweite Aufmerksamkeit. 13,6 Millionen Menschen verfolgten das Finale vor dem Fernseher. Einige Spielerinnen wurden über Nacht zu Stars. Die gestiegene Popularität führte einerseits zu größerem Interesse bei den Länderspiel-Übertragungen der Damen. Andererseits stieg auch die Zahl der fußballbegeisterten Mädchen in den Vereinen. Von beiden Entwicklungen profitieren der Sport und der DFB bis heute.

Mit der gestiegenen Bekanntheit stieg jedoch auch die Erwartungshaltung, insbesondere als die deutschen Frauen ihren Titel vier Jahr später ohne ein einziges Gegentor verteidigen konnten. Mit dem öffentlichen Druck konnte die Nationalmannschaft in den Folgejahren nicht immer umgehen. Beispielhaft war hier die Heim-WM 2011, als Deutschland im Viertelfinale am späteren Weltmeister Japan scheiterte.

„Unsere Generation hat den Weg geebnet“ 

Auch für Nia Künzer hat das Tor viel verändert. Schlagartig wurde die Frau, die bei der WM eigentlich nur Ergänzungsspielerin war, zu einem der bekanntesten Sportgesichter Deutschlands. Doch obwohl sie in ihrer Karriere immer wieder mit schweren Verletzungen zu kämpfen hatte, blickt sie ohne Wehmut zurück: “Ich habe meine Zeit genossen, ich weiß, dass unsere Generation den Weg geebnet hat und das macht mich stolz”, sagte sie vor einiger Zeit dem Sport-Informationsdienst.

An ihrer Bekanntheit hat sich bis heute wenig geändert. Seit 2006 ist Künzer als ARD-Expertin bei Länderspielen der Frauen-Nationalmannschaft zu sehen. Sie ist nachwievor ein gern gesehener Gast bei Interviews, Empfängen oder Wohltätigkeitsveranstaltungen. Hauptberuflich arbeitet sie im hessischen Innenministerium und unterstützt nebenbei zahlreiche gemeinnützige Projekte. So engagierte sie sich etwa für Mädchenfußballprojekte in Namibia oder für die Schulbildung von Mädchen in Bangladesch. Dabei sieht sie ihre Eltern als Vorbilder, die gemeinsam als Entwicklungshelfer in Botswana arbeiteten, als Künzer geboren wurde. Für ihr Engagement wurde sie mit zahlreichen Preisen bedacht. Erst kürzlich bekam sie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Nia Künzer ist eine Frau die in vielen Bereichen etwas bewegt, und die doch für immer vor allem mit ihrem Tor im WM-Finale 2013 verbunden sein wird. Ein Umstand, der sie nervt? Offenbar nicht, wie sie in einem Porträt auf der Fifa-Homepage 2016 erklärte: „Nein überhaupt nicht. Das wäre ein Fehler und respektlos. Es war eine schöne Zeit in meinem Leben. Ein toller Erfolg […]”. Ein Erfolg, auf den sie auch Jahre später noch stolz sein kann und der ihr geholfen hat, Dinge zu verwirklichen, die noch ein klein wenig wichtiger sind als ein WM-Titel im Fußball.

Geburtstage in der Woche vom 9. bis 15. Oktober

  • 09.10.: Kevin Kampl (1990)
  • 10.10.: Dirk Heyne (1957)
  • 11.10.: Sebastian Rode (1990)
  • 12.10.: Riechedly Bazoer (1996)
  • 13.10.: Breno (1989)
  • 14.10.: Anthony Ujah (1990)
  • 15.10.: Mesut Özil (1988)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie zwischen dem KFC Uerdingen und dem FC Zurrieq im Jahr 1985. Uerdingen gewann 9:0. Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis:

  • Beitragsbild: Wir bedanken uns bei blu-news.org für das Foto zu diesem Beitrag. Lizenz CC BY-NC 2.0

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