02.10. – Abgang im Stillen

Michael Ballack beendet seine Karriere 2012 nach langem medialen Schlagabtausch mit dem DFB. Als er abtritt, ist das Interesse an seiner Person überschaubar. Zwei Jahre zuvor war das noch ganz anders.


von Endreas Müller
Woche vom 2. Oktober – 8. Oktober

Am 2. Oktober 2012 verbreiten die Nachrichtenagenturen ein kurzes Statement. Es stammt von der Anwaltskanzlei von Michael Ballack. In professionellem Sprech lässt Ballack verlautbaren, dass er seine Karriere beendet. Zu behaupten, der Abschied wäre unbeachtet geblieben, würde nicht stimmen. Die Sportmedien machten ihren Job und verbreiten die Meldung artig weiter, der eine oder andere Kommentar erscheint – business as usual.

Michael Ballack war über Jahre hinweg das Markenzeichen des deutschen Fußballs

Dennoch eine erstaunliche Entwicklung und der Beweis, wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist. Etwas mehr als zwei Jahre zuvor hatte die ARD ihr Programm noch für einen Brennpunkt unterbrochen. Thema: Michael Ballacks Verletzung im FA-Cup-Finale und sein Ausfall für die WM 2010. Was man sich sonst für Katastrophen und Terroranschläge vorbehält, wurde aufmerksamkeitstechnisch der Verletzung des Kapitäns der Nationalmannschaft beigemessen.

Über Jahre hinweg war Michael Ballack der einzige Spieler in Deutschland mit unbestrittenem Weltklasseformat. Er verdiente seine Brötchen als einer von wenigen Deutschen in der Premier League, war Alphatier und Dreh- und Angelpunkt der Nationalmannschaft – der Capitano eben.

Das Ausmaß der Berichterstattung zur Verletzung ließ erahnen, welche Relevanz Ballack im Besonderen und Fußball im Allgemeinen hierzulande hatte und hat. Der weitere Verlauf der medialen Aufmerksamkeit zum Wirken Ballacks ist ein Indiz dafür, worum es der Öffentlichkeit eigentlich geht: Erfolg.

Trotz des medialen Alarmismus im Vorfeld des Turniers spielte die DFB-Auswahl in Südafrika eine herausragende WM – ganz ohne Capitano. Nach dem Turnier wollte Ballack seinen angestammten Platz zurück und es entspann sich ein medialer Rosenkrieg zwischen DFB und Ballack, der gleichzeitig immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde.

Diese wiederum wurden weit weniger dramatisch von den Medien begleitet. Die Nationalmannschaft spielte erfolgreich und Althauer Ballack erschien mit seinen Einlassungen und dem ständigen Clinch, in dem er sich mit dem DFB befand, eher wie ein Fremdkörper. Dazu mag auch beigetragen haben, dass Ballack ob seines Auftretens immer etwas kritisch beäugt und mehr als andere an seinen Erfolgen gemessen wurde (man denke zum Vergleich an einen Lukas Podolski).

So kam es, dass aus Brennpunkt Ballack innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren eine Randnotiz wurde. Die Farce um die geplatzten offiziellen Abschiedsspiele tat ihr Übriges dazu. Michael Ballack beendete mit einer lapidaren Mitteilung am 2. Oktober 2012 seine Karriere – die Öffentlichkeit nahm Notiz davon – mehr aber auch nicht. Ballack trug sicher seinen Teil dazu bei. Er hätte 2010 die Zeichen der Zeit erkennen können und sich den Rat eines ehemaligen Weltklassespielers durch den Kopf gehen lassen sollen:

„Im Nachhinein hätte ich […] das Nationaltrikot besser nicht mehr angezogen – trotz der 150 Länderspiele, auf die ich es als Rekordnationalspieler gebracht habe. Es war ein Fehler, es noch einmal zu versuchen. Und diese Erkenntnisse würde ich auch gern an Michael Ballack weiterreichen, der fast 34 Jahre alt ist.“

Lothar Matthäus im Juli 2010 über seine Teilnahme an der EM 2000 im Alter von 39 Jahren

Auch das Abschiedsspiel 2013 konnte nicht so richtig darüber hinwegtäuschen: das Karriereende Ballacks hatte den Beigeschmack eines Abgangs zweiter Klasse. Dennoch ist er einer der herausragendsten Fußballer, die Deutschland je hervorgebracht hat. Bei 120minuten hat sich Sebastian Kahl der Karriere von Michael Ballack gewidmet – in drei Longreads lässt er die komplette Vita des gebürtigen Görlitzers Revue passieren:

Wem das zu viel Lesestoff ist, der kann auch in unseren Podcast zu Michael Ballack hineinhören:

Geburtstage in der Woche vom 2. bis 8. Oktober

  • 02.10.: Roberto Firmino (1991)
  • 03.10.: Zlatan Ibrahimovic (1981)
  • 04.10.: Jorge Valdano (1955)
  • 05.10.: Kevin Mirallas (1987)
  • 06.10.: Kasper Dolberg (1997)
  • 07.10.: Diego Costa (1988)
  • 08.10.: Sejad Salihovic (1984)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie zwischen Roter Stern Belgrad und Ujpest Budapest aus dem Jahr 1960. Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis:

  • Beitragsbild: Wir bedanken uns bei aquafisch für das Foto zu diesem Beitrag. Mehr von aquafisch gibt es bei flickr. Lizenz CC BY-NC 2.0

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