29. 09. – Konrad Koch wirft ein…

…und bald darauf befand sich Deutschland im Fußballfieber? Ganz so einfach war es nicht. Als im September 1874 Konrad Koch und August Herrmann auf dem Braunschweiger Exerzierplatz einen Ball zum Spiel freigaben, konnte niemand ahnen, dass damit eine Lawine ins Rollen gebracht werden würde. Dieser historische Anpfiff war der Auftakt zu einer langen und intensiven Beziehung der Deutschen zum Fußball.

von Christoph Wagner
Woche vom 25. September – 01. Oktober

Für die meisten Fußballinteressierten ist die Einführung des Spiels in Deutschland mit dem Braunschweiger Lehrer Konrad Koch und dem Datum 29. September 1874 verbunden. Das ist nur teilweise richtig. Denn es lebten im 19. Jahrhundert viele Engländer in Deutschland und gründeten ihre eigenen Vereine, denn in England gab es seit 1863 festgeschriebene Regeln; schon 1857 wurde in Sheffield der Sheffield FC gegründet, der älteste Fußballverein der Welt. So ist mindestens vom April 1874 nachgewiesen, dass der Dresden English Football Club gegründet wurde. Der Gründungspräsident des DFB, Ferdinand Hueppe wird zitiert, dass er bereits 1865 mit englischen Jungs „herumkickte“ und 1872 gründete der Heidelberger Ruderclub eine Fußballabteilung.

Es steht jedoch fest, dass es der Braunschweiger Lehrer Koch gewesen ist, der den Fußball systematisch einführte, indem er die Regeln übersetzte und erstmals schriftlich fixierte. Er war es, der die uns heute wie selbstverständlich von den Lippen kommenden Fachtermini einführte. Hierbei ist noch anzufügen, dass es sich bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts um Rugby football handelte. Association football, also das Spiel ohne Hand und mit einem runden Ball wurde erst später bekannt in Deutschland. Koch war ein Anhänger der Rugby-Version des Spiels.

So hat Malte Oberschelp fest gehalten, dass es sich um einen „eiförmigen Lederballe“ handelte, der ins Spiel gebracht wurde. Zudem ist nicht klar, wer genau die Idee hatte, dieses Spiel zu probieren, Konrad Koch dem es letztendlich zugeschrieben wurde. Oder Friedrich Reck, ein Militärarzt der in England weilte und obendrein Kochs Schwiegervater war. Oder war es doch August Hermann, der Turnlehrer? Immerhin hatte er den Ball in London bestellt und schicken lassen. Seine Schwester war Leiterin eines Internats für englische und deutsche Schülerinnen und war oft in England. Ganz klar, die Kontakte waren auf allen Seiten gegeben und Interesse ebenso. Somit war es ein leichtes für die englischen Spielformen auch im deutschen Reich Fuß zu fassen und Popularität zu erlangen.

Trotzdem muss man hinzufügen, dass Koch ganz anderes im Sinn hatte, als eine Lawine loszutreten. Er wollte die Turnbewegung nicht unterminieren oder gar abschaffen. Vielmehr erkannte er frühzeitig, dass Schüler und Studenten zu viel Zeit in geschlossenen Räumen verbrachten, bzw. in Kneipen. Fußball kam da als Ausgleich an der frischen Luft wie gerufen. Die importierten Spiele hatten es leicht, da schon 1872 festgestellt wurde, dass den meisten Schülern deutsche Spiele wie Kaiserball, Barlaufen oder Ballschlagen vollkommen unbekannt waren. Einzig Räuber und Gendarm war noch bekannt und die Lehrer ließen die Jungen gewähren. In dieses Vakuum fiel also der Versuch Kochs und seiner Kollegen, die Jugend zu Bewegung an der frischen Luft zu bewegen. Mehr als einhundert Jahre kann man sagen, dass sein Versuch durchaus Erfolg hatte. Ob die Entwicklung auch in seinem Ansinnen ist, darf bezweifelt werden. Koch verabscheute Profitum und den Wettkampfgedanken. Er bevorzugte das Spiel um des Spielens und der Bewegung wegen.

2017 ist das Jahr des 500. Jubiläums des Wittenberger Thesenanschlags von Martin Luther. Wie Luther 1517 die Kirche nur reformieren und nicht spalten wollte, wollte Koch das Turnen beleben und einen Ausgleich schaffen. Dass er dabei eine Lawine ins Rollen brachte, konnte er nicht ahnen und war auch nicht sein Ansinnen. Ihm ging es um die Bewegung als Ausgleich zum starren Turnen. Wichtig für Koch war auch der mannschaftliche Zusammenhalt. Doch es kam anders.

So eine Geschichte ist natürlich auch eine Steilvorlage für das Kino. Die Geschichte von Konrad Koch und seiner Leidenschaft kam 2011 in die Kinos mit Daniel Brühl in der Hauptrolle.

Geburtstage in der Woche vom 18. bis 24. September

  • 25.09.: Nicolai Müller (1987)
  • 26.09.: Zlatko Junuzovic (1987)
  • 27.09.: Granit Xhaka (1992)
  • 28.09.: Valérien Ismaël (1975)
  • 29.09.: Per Mertesacker (1984)
  • 30.09.: Olivier Giroud (1986)
  • 01.10.: Jan Kirchhoff (1990)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war das Spiel zwischen Sturm Graz und Rapid Wien vom 24. September 2000 in der österreichischen Bundesliga. Die Partie endete 1:1. Thomas Zingler hatte für die Rapidler nach einer halben Stunde zur Führung getroffen ehe Strafner für den Sturm aus Graz nach 62 Minuten ausgleichen konnte. Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Literaturempfehlungen

    • Oberschelp, Malte,

Der Fußball-Lehrer: Wie Konrad Koch im Kaiserreich den Ball ins Spiel brachte

    • (Göttingen:

Verlag die Werkstatt

    • , 2011)

 

    • Gödecke, Christian,

Fußballanfänge in Deutschland: Der Mann, der die „englische Krankheit“ einschleppte

    • via:

Spiegel Online

Bildnachweis:

    • Titelseite der ersten deutschen Fußballregeln von 1875 via

WikiCommons

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