12.09. – Die Schmach von Landskrona

Heute vor 27 Jahren verlor die österreichische Nationalmannschaft ein Spiel, das selbst Nicht-Fußballfans in Österreich kennen. Ein Begriff, der jedem Österreicher geläufig ist, aber den wohl die wenigsten richtig schreiben können. Auf den Tag genau vor 27 Jahren erlitt die Alpennation ein Trauma, das zwar keinen großen Einfluss auf die sportliche Entwicklung des österreichischen Fußballs haben sollte, sich jedoch dermaßen in die Köpfe der Spieler und Fans einbrannte, dass es bis heute präsent ist und jeder Bescheid weiß, sobald nur der Name fällt: „Färöern.“


von Marco Stein
Woche vom 11. September – 17. September

Am 12. September 1990 trat die österreichische Nationalmannschaft geführt von Josef Hickersberger im schwedischen Landskrona gegen die färöische Nationalmannschaft an. Die Färöern waren damals noch nicht vielen ein Begriff. Eine recht kleines Land mit nicht mal 50.000 Einwohnern und einer Fläche doppelt so groß wie die Hansestadt Hamburg. Die Färöern wurden erst 1988 Mitglied der FIFA und sollten gegen die Österreicher ihr allererstes Pflichtspiel absolvieren. Für die Österreicher, sowie auch für die Färöern, war es zudem der Startschuss für die Qualifikation zur EM 1992.

Entsprechend wenig wusste man auch über den Gegner. Toni Polster erwiderte noch vor dem Spiel, dass man mit vielen Toren rechnen und einen „10:0-Sieg“ erwarten könne. Auch der färöische Torhüter Jens Martin Knudsen meinte, dass man mit einem 0:5 noch gut bedient wäre. Zurecht, nahm die österreichische Nationalmannschaft doch wenige Wochen zuvor bei der Weltmeisterschaft in Italien teil und verlor dort nur knapp zweimal mit 1:0 gegen Italien sowie die Tschechoslowakei und schied damit als Gruppendritter vor den USA aus.

Nach der Weltmeisterschaft kam es zu ein paar kleinen Veränderungen im Kader und so spielte man in Schweden mit einer Mischung aus Stars wie Michael Konsel, Andi Herzog und Toni Polster, aber auch mit Spielern wie Heinz Peischl, Peter Pacult, Gerald Willfurth, die nicht Teil des WM-Kaders waren. Im Großen und Ganzen blieb der Kader jedoch derselbe, auch wenn man den einen oder anderen gegen die Färöern scheinbar schonte.

Doch es sollte ganz anders kommen. Vor rund 1.200 Zuschauern setzte es eine peinliche 1:0-Niederlage für die Österreicher gegen die Färöern. Eine Mannschaft, die bis auf einen Spieler zur Gänze aus Amateuren bestand, während die Spieler auf der anderen Seite beim FC Sevilla und Atletico Madrid ihr Geld verdienten.

Der Treffer der Färöer mit Original-Kommentar. Die ganze Partie ist ebenfalls mit Originalkommentar des ORF bei Youtube zu finden. 

Während sich daraus für die Färöern die bis dato größte mediale Aufmerksamkeit entwickeln sollte und der Sieg auf der kleinen Insel groß zelebriert wurde, hatte die peinliche Niederlage große Nachwirkungen in Österreich. So trat Trainer Josef Hickersberger schon am nächsten Tag zurück und einige Spieler mussten sich noch lange die Kritik gefallen oder zumindest den Begriff „Färöern“ über sich ergehen lassen. Das Rückspiel wurde zwar 3:0 gewonnen, doch bis heute sind die Färöern sowas wie ein Angstgegner. Bei jeder Auslosung gibt es immer jemanden der wette, dass wir „wieder mal die Färöern“ bekommen. „Färöern“ ist das österreichische Pendant zu „Cordoba“. Während „Cordoba“ die Bezeichnung für den grandiosesten aller Erfolge ist und sich positiv ins Hirn einbrannte, so steht „Färöern“ für die wohl schlimmste und peinlichste Niederlage im österreichischen Fußball. Hätte Red Bull Salzburg mehr Anhänger und bekäme mehr Sympathien, dann würde wohl einzig „Düdelingen“ diesem Begriff Konkurrenz machen.

Inzwischen bestreiten die Färöer ihre Heimspiele auf eigenem Boden. Das Nationalstadion Tórsvøllur wurde 2000 eröffnet.

2008 war es dann aber endlich soweit: ein Wiedersehen mit der kleinen Nation. Es war kurz nach der Heim-EM, die Euphorie war groß, man sah das Potential, das diese Truppe hatte, doch Josef Hickersberger – seine zweite Amtsperiode – trat nach der Europameisterschaft zurück und wurde durch den Tschechen Karel Brückner ersetzt. Der neue Teamchef legte mit einem 2:2 gegen Weltmeister Italien und einem 3:1-Sieg gegen den Vizeweltmeister Frankreich grandios los, doch musste er sich bereits erste Kritik nach einem 0:2 gegen Litauen gefallen lassen. Diese Schlappe heizte die Unsicherheit und Angst vor dem bevorstehenden Spiel gegen die Färöer-Inseln noch weiter an. Fans wurden nervös, Spieler versuchten in Interviews mutig dazustehen, aber hatten im Hinterkopf wahrscheinlich doch einen gewissen Respekt und auch Trainer Karel Brückner war sich sicher, dass es kein einfaches Spiel werden, aber man gewinnen würde. Und gleich mal 2 € ins Phrasenschwein…

Auch der junge Debütant Marko Arnautovic, der in der zweiten Hälfte eingewechselt wurde, konnte das Ergebnis nicht mehr ändern und so konnte man erneut nicht gegen die Färöer-Inseln gewinnen. Endstand: 1:1.

Man gestand sich ein, dass jede Mannschaft gegen die Färöern Probleme hat (so beispielsweise Frankreich, die 2009 in der WM-Quali nur 1:0 gewannen), aber dieses Spiel aufgrund der Vorgeschichte vor allem im Kopf gewonnen werden muss. So versuchte man sich etwas Druck von den Schultern zu nehmen. Und tatsächlich: die österreichische Nationalmannschaft besiegte die Färöern im Quali-Rückspiel mit 3:1 in Graz und konnte so erstmals wieder seit 1991 gegen den kleinen Inselstaat gewinnen.

Auf dem Weg zur EM 2016 traf man erneut auf den Angstgegner. Marcel Koller war inzwischen ÖFB-Coach und der Schweizer wusste seine Spieler ideal vorzubereiten – so siegte man in Österreich mit 6:0 und auswärts 0:3.

Trotz der letzten Erfolge wird es aber auch bei der nächsten Quali-Auslosung viele Österreicher kurz zusammenziehen, falls die Färöern gezogen werden, denn das Trauma steckt weiterhin in den Köpfen.

Geburtstage in der Woche vom 11. bis 17. September

  • 11.09.: Juanfran (1988)
  • 12.09.: Mirko Slomka (1967)
  • 13.09.: Thomas Müller (1989)
  • 14.09.: Douglas Costa (1990)
  • 15.09.: Cauly Oliveira Souza (1995)
  • 16.09.: Marco Höger (1989)
  • 17.09.: Massimo Bruno (1993)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie zwischen Deutschland und England 1987, das Spiel gewann die DFB-Auswahl mit 3:1 – es war der 300. Sieg der Nationalmannschaft; wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis:

  • By Eileen Sandá (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

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