29.08. – Peanuts

40 Millionen. Was sind schon 40 Millionen? Klar, für uns Normalsterbliche ist das eine unfassbar große Summe. Nach den heutigen Maßstäben im Weltfußball und in Zeiten, in denen brasilianische Nationalspieler für 222 Millionen Euro den Verein wechseln, fällt die eingangs genannte Zahl allerdings wohl eher in die Kategorie “Peanuts”. Man könnte auch sagen: für den Betrag, den Katar Paris St. Germain für Neymar bezahlt hat, hätten sie auch fünfeinhalb Javi Martinez’ verpflichten können.


von Alex Schnarr
Woche vom 28. August – 03. September

Nein, die Saison 2011/2012 war nach allen verfügbaren Messlatten, die man an der Säbener Straße in München an so eine Spielzeit anlegen kann, keine sonderlich erfolgreiche. Mit satten acht Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund belegte das Team um Manuel Neuer, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller in der Endabrechnung lediglich den zweiten Tabellenplatz. Acht Punkte, das sind Welten im “Mia-san-mia”-Universum. Im DFB-Pokal erreichte man das Finale, nur um dort vom alten und neuen Deutschen Meister mit 2:5 gedemütigt zu werden. Die wohl schmerzlichste Niederlage erlitt man allerdings in der Champions League. Im “Finale dahoam”, im eigenen Wohnzimmer, unterlag man dem FC Chelsea mit 3:4 nach Elfmeterschießen. Der Fußballwelt dürfte da schon klar gewesen sein: Der FC Bayern München würde reagieren müssen, und die Reaktion sollte deutlich ausfallen.

Wies die Transferbilanz der Saison 2010/2011 noch verhältnismäßig moderate -11 Millionen Euro aus und betrug die Differenz zwischen Transfererlösen und -ausgaben 2011/2012 noch -47,1 Millionen, würden mit dem Ende der Transferperiode 2012/2013, also in Jahr 1 nach Vizemeisterschaft, DFB-Pokal-Schmach und Champions-League-Drama, -69,8 Millionen (oder eben 0,3 Neymar) zu Buche stehen. Die Transfers von Dante (4,7 Mio.), Xherdan Shaqiri (11,8 Mio.) und Mario Mandzukic (13 Mio.) hatten bereits für Aufsehen gesorgt – eine richtige Ansage war aber die Verpflichtung von Javi Martínez am 29.08.2012, der für die eingangs erwähnten 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao losgeeist wurde. Martínez wurde mit diesem Wechsel zum bis dato teuersten Spieler im deutschen Profifußball. Freilich eine Marke, die inzwischen von Julian Draxler (wechselte 2015/2016 für 43 Millionen zum VfL Wolfsburg) gerissen wurde, aber eine, die auch heute noch zum 3. Platz in der Transfertabelle derjenigen Spieler langt, die in die oder innerhalb der Bundesliga wechselten.

Es ist sicherlich nicht falsch, zu behaupten, dass Javi Martínez jetzt nicht unbedingt der schillerndste Name war, der 2012/2013 auf dem Transfermarkt gehandelt wurde. Man könnte auch sagen, dass der Defensivspieler vor seinem Wechsel nach München wohl vor allem Insidern ein Begriff war. Schaut man allerdings auf die Vita des damals 23jährigen Spaniers, wird schnell deutlich, was für einen großartigen Spieler sich die Bayern da an Bord geholt hatten: Ausgebildet in der Jugend von CA Osasuna, führte ihn sein Weg über die dortige zweite Mannschaft direkt in den Kader von Athletic Bilbao. Dort debütierte er im Alter von erst 17 Jahren am ersten Spieltag der Saison 2006/2007 im baskischen Derby gegen Real Sociedad San Sebastian; im weiteren Saisonverlauf etablierte er sich als unumstrittener Stammspieler bei “los leones”. Am Ende der Spielzeit 2011/2012, seiner letzten im Dress der Basken, hatte er im Alter von 23 Jahren bereits 250 Pflichtspiele absolviert, davon 201 in der Primera División. Und auch mit Finalniederlagen kannte sich Martínez inzwischen aus: 2009 unterlag er mit seiner Mannschaft im Endspiel des Königspokals dem FC Barcelona mit 1:4, 2011/2012 musste sich Athletic Bilbao mit Martínez in der Startelf dem Ligakonkurrenten Atlético Madrid im Europa-League-Finale geschlagen geben.

Der (für den aufnehmenden Verein) 40 Millionen Euro teure Schritt nach Deutschland sollte dann allerdings sowohl für die Münchner Bayern als auch für Javi Martínez selbst eine äußerst titelreiche Ära einläuten. Gleich in seiner ersten Saison gewann der FCB das Triple aus Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal; in der Liga sollte keine andere Mannschaft bis einschließlich der Saison 2016/2017 mehr die Deutsche Meisterschaft erringen.

Martínez selbst konnte diese Ära zumindest zu Beginn maßgeblich mit prägen. Mehr noch: Seine Verpflichtung war möglicherweise genau das fehlende Puzzlestück, das 2012/2013 den Dreifachtriumph der Bayern erst möglich machte. In seiner Debütsaison stand Martínez für die Münchner in der Bundesliga in 27 Spielen insgesamt 1.758 Minuten auf dem Platz; in der Champions League wirkte er in 11 Spielen mit. Schwere Verletzungen warfen den Spanier danach allerdings immer wieder zurück; 2014/2015 steht in der Bundesliga lediglich ein einziges Spiel über 62 Minuten zu Buche. Trotzdem: Aus Sicht des FC Bayern wird die damalige Rekord-Ablöse von 40 Millionen Euro retrospektiv mit einiger Sicherheit gut investiertes Geld gewesen sein. Und Martínez? Der fällt derzeit zwar wieder einmal verletzungsbedingt aus, konnte seinem virtuellen Vitrinenschrank aber nach einem Welt- und einem Europameistertitel mit Spanien, einem Champions-League-Sieg, fünf Deutschen Meisterschaften und drei DFB-Pokal-Erfolgen mit dem Super-Cup-Gewinn am 05.08.2017 einen weiteren Titel hinzufügen. Gegner übrigens: Borussia Dortmund und damit die Mannschaft, deren Erfolge an der Münchner Transferoffensive sicherlich einen nicht unerheblichen Anteil gehabt haben dürften.

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Martínez – 40 Millionen für das defensive Mittelfeld (FTD.de)

Geburtstage in der Woche vom 28. August bis 03. September

  • 28.08.: Bojan Krkic (1990)
  • 29.08.: Thomas Tuchel (1973)
  • 30.08.: Paulo Sousa (1970)
  • 31.08.: David Ospina (1988)
  • 01.09.: Daniel Sturridge (1989)
  • 02.09.: Joey Barton (1982)
  • 03.09.: Jérôme Boateng (1988)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie zwischen dem SC Preußen Münster und dem Hamburger SV am ersten Spieltag der Bundesliga-Saison 1963/1964; wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

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