13.08. – Bierpipeline und Knappenkarte – Schalke baut sich ein Stadion

Am 13. August 2001 eröffnet Schalke 04 seine „Arena AufSchalke“. Der Verein ist damit einer der Vorreiter bei der Weiterentwicklung reiner Sportstätten zu modernen Eventtempeln.


von Ralf Lieschke
Woche vom 7. August – 13. August

Ein weites, offenes Rund mit Leichtathletikbahn, nur spärlich überdachte Tribünen auf aufgeschütteten Dämmen, freistehende Flutlichtmasten und am Imbissstand die Auswahl zwischen Bratwurst und Pommes – wer den Fußball nicht erst im 21. Jahrhundert kennen und lieben gelernt hat, ist mit dieser Form von Stadion aufgewachsen. Auch das Parkstadion in Gelsenkirchen, seit 1973 Heimstätte des FC Schalke 04, war geradezu exemplarisches Beispiel für diese Bauart. Wer erinnert sich nicht an die Bilder von der „Meisterschaft der Herzen“ im Sommer 2001, als Schalke sich für wenige Minuten am Ziel aller Träume wähnte und die Fans das weitläufige Areal füllten? Ironie des Schicksals: Dieses legendäre 5:3 gegen Unterhaching sollte das letzte Punktspiel der Knappen im Parkstadion sein.

Schon seit Ende der 1980er Jahre hatte es in Gelsenkirchen Pläne gegeben, das Parkstadion durch eine modernere Spielstätte zu ersetzen. Kostensteigerungen, Finanznöte des Vereins und personelle Veränderungen führten dazu, dass diese Planungen immer wieder geändert oder verworfen wurden. Erst unter der Regie des legendären Managers Rudi Assauer wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht und 1998 mit dem Bau der neuen Arena begonnen – finanziert allein durch den Verein und ohne öffentliche Mittel.

Die neue Arena auf Schalke – bereits mit neuem Namen

Und es kann sich sehen lassen, was Schalke 04 da für einen Fußballtempel in unmittelbarer Nähe zum alten Stadion auf das Berger Feld in Gelsenkirchen-Erle stellte. Für nicht ganz 200 Millionen Euro entstand mit der „Arena AufSchalke“ eine eindrucksvolle Veranstaltungsstätte, die mit einigen Besonderheiten aufwarten kann, die zum Teil bis heute einzigartig sind. Legendär ist neben der rund fünf Kilometer langen Bierpipeline zur Versorgung aller Zapfstellen in der Arena sicher die mobile Spielfläche: Der Rasen wächst in einer gigantischen Wanne, die sich im Normalfall außerhalb des Stadions befindet und nur für Fußballspiele mittels Hydraulik unter der Südtribüne hindurch ins Stadion gefahren wird. Ähnlich neuartig war auch das komplett verschließbare Dach der Arena, wie auch der Videowürfel unter demselben oder die Einrichtung einer Stadionkapelle.

Der Dachschaden am 30.12.2010 – Die Fahnenfrevel vom Vortag ist nicht nicht mehr zu sehen.

Das bereits erwähnte Dach war auch Schauplatz eines ganz besonderen Ereignisses in der Arena-Geschichte. Bereits Anfang 2010 war es – vermutlich durch Eis – zu Schäden an der filigranen Dachhaut gekommen. Als zum Jahresende erneut eine hohe Schneelast das Dach in Mitleidenschaft zog und eine Nutzung der Arena unmöglich machte, wurden flugs Arbeiter engagiert, um das Dach zu reparieren und vom Schnee zu befreien, um weitere Beschädigungen zu vermeiden. Einer dieser Arbeiter, die offenbar nicht besonders gründlich auf bedingungslose Liebe zu den Knappen eingeschworen wurden, nutzte die Gelegenheit, um auf dem Stadiondach gut sichtbar eine Fahne des verhassten Rivalen aus Dortmund zu platzieren. Ob diese emotionale Verletzung des Schalker Herzens möglicherweise sogar den rein materiellen Dachschaden übertraf, ist nicht überliefert, wohl aber zu vermuten.

Einen weiteren Schlag musste die Schalker Seele verkraften, als die Namensrechte an der Arena trotz gegenteiliger Versprechen nur vier Jahre nach der Eröffnung an eine Brauerei verkauft wurden. Überhaupt eröffnete die neue Arena auf dem Gebiet der Vermarktung völlig neue Möglichkeiten. Die Einführung der sogenannten „Knappenkarte“ als bargeldloses Zahlungsmittel war Vorreiter eines Trends, der heute einen beachtlichen Teil der Bundesligastadien erreicht hat und von dessen Nutzung in erster Linie die Betreiber solcher Systeme profitieren. Weitere Einnahmen erzielt die zuständige Beteiligungsgesellschaft des FC Schalke 04 durch die Vermietung der Immobilie für allerlei Events abseits des Fußballs. So finden in der Arena neben den obligatorischen Konzerten und naheliegenden Sportveranstaltungen wie Footballspielen oder Boxkämpfen auch eher ungewöhnliche Wettkämpfe einen Heimat, so zum Beispiel die „TV Total Stock Car Crash Challenge“ oder die jährlich wiederkehrende „World Team Challenge“ im Biathlon.

Das alte Parkstadion mit der neuen Arena im Hintergrund

Die wenigsten Schalker werden diese Entwicklung vorhergesehen haben, als sie im August 2001 vom Parkstadion in ihre neue Heimstätte umzogen. Aber wahrscheinlich sind sie auch ein bisschen froh. Darüber, nach wie vor eines der modernsten und bemerkenswertesten Stadien Europas ihr Eigen nennen zu können. Und vielleicht auch darüber, das Kapitel „Meister der Herzen“ im alten Ground zurückgelassen zu haben.

Weiterlesen

Zahlen und Fakten auf veltins-arena.de
„BVB-Fahne auf Dach der Schalke-Arena gehisst“ auf derwesten.de

Geburtstage in der Woche vom 7. August bis 13. August

  • 07.08.: Florian Grillitsch (1995)
  • 08.08.: Joel Matip (1991)
  • 09.08.: Filippo Inzaghi (1973)
  • 10.08.: Roy Keane (1971)
  • 11.08.: Ryan Malone (1992)
  • 12.08.: Mario Balotelli (1990)
  • 13.08.: André Hahn (1990)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war das Ligapokalfinale zwischen Werder Bremen und Bayern München aus dem Jahr 2006; wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.