11.06. – Kölner unter sich

Köln-Müngersdorf vor 34 Jahren: Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte des DFB-Pokals kommt es im Finale zu einem echten Stadtderby zwischen dem FC und der Fortuna. Und während der Bundesligist den Pott gewinnt, darf der damalige Zweitligist aus der Südstadt sich am Ende immerhin als Sieger der Herzen fühlen.

Ein Gastbeitrag von Kati Arnoldy (Südstadtlegenden)
Woche vom 5.-11. Juni

Das Fußballherz des Kölners ist per se leidensfähig, völlig unabhängig davon, welchem der lokalen Vereine es zugewandt ist. Das muss es auch sein, denn auch wenn zuletzt einige Hüpfer vor Freude drin waren, so wurde es doch bereits oft gebrochen. Während der 1. FC Köln die vergangene Saison mit einem absoluten Highlight abschließen konnte und nach Jahrzehnten zurückkehrt in den Europapokal, so ist das Stichwort Pokal für die Fortuna aus der Kölner Südstadt dieser Tage kein gutes… denn im Finale des Mittelrhein-Pokals scheiterte man bitter mit 0:1 gegen den Regionalligisten Bonner SC und verpasste dadurch einmal mehr die Teilnahme am DFB-Pokal.

Am 11. Juni können die Südstädter ein weiteres bitteres 0:1 erinnern, dieses ist allerdings von historischer Natur und im Gegensatz zu heute war die Fortuna an diesem Tag vor 34 Jahren zumindest der Sieger der Herzen, als das Finale des DFB-Pokals das einzige Stadtderby in seiner ganzen Geschichte hervorbrachte. Der große 1. FC Köln empfing am 11. Juni 1983 den SC Fortuna Köln im Müngersdorfer Stadion zum Kampf um den Pott.

Damals war Berlin noch nicht der Austragungsort und so gelang es den Kölner Funktionären, sich das Finale daheim zu sichern. Der FC ging als klarer Favorit ins Rennen gegen „dat Vereinche“, wie Mäzen Jean Löring seine Fortuna liebevoll zu nennen pflegte. Zu dieser Zeit waren die Südstädter noch in der 2. Bundesliga, hatten aber gerade mal wieder einen Neuaufbau hinter sich, den Trainer Martin Luppen mit dem Sparkurs von Jean Löring unter einen Hut bringen musste bei den elf neuen Spielern, die er nach dem Abgang von zehn Spielern, darunter Größen wie Karl-Heinz Mödrath, verpflichten konnte. Niemand glaubte in dieser Saison ernsthaft daran, dass die Fortuna zu Höherem berufen sein könnte und doch spielte man um den Aufstieg mit und stand man am Ende im Pokalfinale.

Dabei war der Weg dorthin kein leichter – in der 1. Runde besiegte man Ligakonkurrenten SC Freiburg, in der 2. Runde schwankte man ausgerechnet gegen den schwächsten aller Gegner, den Amateur-Oberliga-Club SSV Ulm, wo nach einem 0:0 erst das 3:0 im Wiederholungsspiel das Weiterkommen sicherte. In der 3. Runde bedachte Losfee Uwe Seeler die Fortuna mit Eintracht Braunschweig – hiermit hatte man bei der Fortuna in jeglicher Hinsicht nicht gerechnet. Das Spiel musste vorverlegt werden, denn die Verantwortlichen hatten zum eigentlichen Termin als Weihnachtsgeschenk für die Profis eine Woche Urlaub auf Gran Canaria gebucht – niemand war davon ausgegangen, dass man zu dieser Zeit noch etwas mit dem Pokal zu tun hätte. Der Kölsche feiert die Feste nun einmal, wie sie fallen… und so konnte auch gegen Braunschweig gefeiert werden, wo man auch ohne vier Stammspieler mit 2:1 gewinnen konnte.

Im Viertelfinale war die Losfee dann Berti Vogts und auch der hatte ein besonderes Los für die Fortuna in petto, nämlich „seinen Verein“, es ging gegen Borussia Mönchengladbach, auch noch ausgerechnet am Karnevalssamstag. Man trennte sich 2:2, nachdem die Fohlen zunächst mit 2:0 führten und so kam es zum Wiederholungsspiel, was die Fortuna vor eigenem Publikum mit 2:1 gewann. So hieß der Gast zum Halbfinale am Ostermontag im Kölner Südstadion Borussia Dortmund, auch zu dieser Zeit ein absolutes Starensemble, trainiert von Kalli Feldkamp. Auch wenn viele Fortunen es bis heute nicht fassen können, das Starensemble wurde entzaubert und der Underdog schoss sich mit einem 5:0 ins Pokalfinale gegen den 1. FC Köln.

Nach diesem eindrucksvollen Weg ins Finale, das nun auch noch in der eigenen Stadt und gegen den Lokalrivalen stattfand, hätte die Fortuna also in mehrfacher Hinsicht endgültig Geschichte schreiben können mit einem  Sieg. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, nach dem Sieg gegen Dortmund wäre ein weiterer gegen den ebenfalls topbesetzten FC mit u.a. Toni Schumacher (der selbst später noch mit seiner Entlassung als Trainer der Fortuna in die Geschichtsbücher eingehen sollte) und Pierre Littbarski, durchaus vorstellbar gewesen.

Doch es sollte anders kommen. Die Fortuna begann stark, konnte ihre Chancen in der Anfangsphase jedoch nicht nutzen. Was man aber gewinnen konnte, waren die Herzen der Zuschauer. Die Frankfurter Allgemeine schrieb später über das Spiel: „Spätestens nachdem Grabosch in der 23. Minute das leere Tor nicht traf und Gede sieben Minuten darauf einen fulminanten Schuß aus 25 Metern gegen die Latte setzte, schwenkten die Zuschauer scharenweise zur Fortuna, wenigstens für dieses eine Mal, ab.“.

Man könnte es als bezeichnend sehen… die Fortuna glücklos, gewinnt aber die Herzen der Menschen und der FC durch einen Glücktreffer von Pierre Littbarski in der 68. Minute am Ende das Spiel. Die Fortuna wurde zum Sieger der Herzen gekürt, bei der Siegerehrung und beim Rathausempfang lauter gefeiert als der FC und bis heute hängt eine Gedenktafel dazu im Vereinsheim in der Südstadt.

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze… und manches bleibt doch immer gleich. Der Fortuna fehlt in den entscheidenden Momenten häufig das Fortune und die Nummer 1 in der Stadt bleibt der FC, auch was die Masse an Publikum angeht bis heute. Eine Rivalität zwischen beiden Clubs gibt es dennoch nicht, ganz im Gegenteil. Man kennt sich, man hilft sich und man mag sich. Die Fortuna ist bis heute im Herzen vieler Kölner, auch der FC-Fans, „dat Vereinche“ hat zwar wenig Zuschauer, aber viele Sympathien. Auf das nächste Kölsche Derby wird man aber noch warten müssen, hat die Fortuna doch die Qualifikation für den DFB-Pokal verpasst und der FC aufgrund seiner Qualifikation für den Europapokal ein noch engeres Vorbereitungsprogramm, in dem diesmal das in den letzten Jahren traditionelle Freundschaftsspiel im Sommer gegen die Fortuna keinen Platz gefunden hat.

Geburtstage in der Woche vom 5. bis 11. Juni

  • 05.06.: Matthias Ostrzolek (1990)
  • 06.06.: Michael Krohn-Dehli (1983)
  • 07.06.: Cenk Tosun (1991)
  • 08.06.: Javier Mascherano (1984)
  • 09.06.: Sokratis (1988)
  • 10.06.: Martin Harnik (1987)
  • 11.06.: Vágner Love (1984)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie am 6. Spieltag der Aufstiegsrunde zur DDR-Oberliga 1971/1972 zwischen der BSG Chemie Leipzig und der BSG Motor Werdau (Endergebnis: 5:0). Wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis: IMG_9880 (via funky1opti | Flickr), Lizenz: CC BY 2.0

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