02.06. – Die Sache mit der Moral. Uli Hoeneß muss ins Gefängnis

Uli Hoeneß, langjähriger Manager und Präsident des FC Bayern München, moralische Instanz des deutschen Fußballs (Selbstwahrnehmung) und Hüter über das vereinseigene Festgeldkonto betrieb privat eine weniger konservative Anlagestrategie. Die bringt ihn am 2. Juni 2014 letztendlich ins Gefängnis.


von Ralf Lieschke
Woche vom 29. Mai – 4. Juni

Mit der Moral ist es immer so eine Sache. Schwierig wird es regelmäßig dann, wenn man korrektes und regelgerechtes Verhalten von anderen einfordert, es damit selbst aber nicht so ganz genau nimmt. Und ganz besonders schlecht sieht es aus, wenn diese eigenen Unzulänglichkeiten mit einem großen Knall öffentlich werden.

Uli Hoeneß – Ein Bild aus besseren Tagen

Bei Uli Hoeneß war die Rollenverteilung – zumindest in der eigenen Wahrnehmung – über Jahrzehnte völlig klar. Der verdienstvolle Alt-Internationale stand auf der guten Seite, war eine moralische Instanz mindestens der Bundesliga, wenn nicht gar der Bundesrepublik. Er war derjenige, bei dessen Verein ordentlich gewirtschaftet wurde und der Missstände aller Art öffentlich anprangern durfte, ja sogar musste, wenn es doch niemand anderes tat. Damit machte der Weltmeister von 1974 sich nicht nur Freunde, aber der Erfolg gab ihm Recht und niemand konnte oder wollte sich vorstellen, dass beim eigentlich herzensguten Uli neben all den kleineren Schweinereien, die die Arbeit im Profifußball so mit sich bringt, irgendwelche Leichen im Keller liegen könnten.

Das änderte sich im Januar 2013. Durch Recherchen des „stern“ wurde öffentlich, dass ein nicht näher genannter Spitzenfunktionär aus der Bundesliga größere Summen auf einem Schweizer Konto deponiert haben sollte. Die Rede war von etwa einer halben Milliarde Euro zu Spitzenzeiten. In Uli Hoeneß‘ Haus am Tegernsee war diese Meldung keine große Überraschung mehr, hatte er doch tags zuvor durch einem Mitarbeiter seiner Bank erfahren, dass hier die Rede von seinem Konto war – einem Konto, welches er jahrelang für Spekulationen auf dem Devisen- und Aktienmarkt nutzte und von dem der deutsche Fiskus keine Kenntnis hatte. Eilig versuchte er, durch eine Selbstanzeige noch das Schlimmste zu verhindern.

Doch es nützte alles nichts. Was folgte, lief ab wie in einem schlechten Film: Hausdurchsuchung, Verhaftung, Freilassung auf Kaution und das Warten auf den Prozess – das alles unter den Augen der interessierten Öffentlichkeit. Und wie aus einem Adventskalender ploppten in regelmäßiger Folge neue Zahlen und Belege, aus denen deutlich wurde, dass der Inhalt von Hoeneß‘ Selbstanzeige ungefähr so weit an der Realität vorbeiging wie sein legendärer Elfmeter bei der EM 1976 am Tor. Am Ende waren es über 28 Millionen Euro, die als Steuerschuld im Raum standen. Das Landgericht München II würdigte diesen Sachverhalt mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten. Uli Hoeneß verzichtete darauf, Revision gegen das Urteil einzulegen. Es war nicht zuletzt der Versuch, den eigenen moralischen Ansprüchen gerecht zu werden und zu seiner Schuld zu stehen.

JVA Landsberg

Und so passiert am 2 Juni 2014 etwas, was es so noch nicht gegeben hat: Der – mittlerweile ehemalige – Präsident des FC Bayern München tritt seine Haftstrafe in der JVA Landsberg am Lech an. Bereits nach einem halben Jahr wird er in den offenen Vollzug verlegt, wo er im Rahmen einer Tätigkeit im Nachwuchsbereich des FC Bayern seine Resozialisierung vorantreibt. Ein gutes Jahr später kommt er nach Verbüßung der Hälfte seiner Strafe wieder frei. Es dauert nicht lange, bis er seine Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Bayern wieder von seinem Platzhalter Karl Hopfner übernimmt und alles scheint, als wäre nie etwas passiert.

Es bleibt die Frage, was diese Haft mit Uli Hoeneß gemacht hat. Kann er weiter für sich in Anspruch nehmen, in der Bundesliga über richtig und falsch zu urteilen? In jedem Falle gefällt er sich weiter in dieser Rolle, poltert nur kurz nach seiner Wiederwahl über die „Feinde“ RB Leipzig und Borussia Dortmund. Nicht wenigen missfällt diese schnelle Rückkehr zur Tagesordnung und auch eine Äußerung im Mai 2017 lässt Raum für berechtigte Zweifel daran, ob Uli Hoeneß die Sache mit der Moral wirklich verstanden hat.

„Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war. (…) Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen. Aber in diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren.“ – Uli Hoeneß

Geburtstage in der Woche vom 29. Mai bis 4. Juni

  • 30.05.: Thomas Häßler (1968)
  • 31.05.: Marco Reus (1989)
  • 01.06.: Chicharito (1988)
  • 02.06.: Oliver Baumann (1990)
  • 03.06.: Lukasz Piszczek (1985)
  • 04.06.: Jürgen Sparwasser (1948)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.
Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war das EC-Cupsieger-Finale Glasgow Rangers gegen Dinamo Moskau aus dem Jahr 1972, wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis:

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