28.05. – Dortmund gewinnt die Champions League in München

Ende Mai ist Endspielzeit in den europäischen Pokalwettbewerben. Vor 20 Jahren, am 28. Mai 1997 spielte der BVB gegen eine der besten Mannschaften Europas, Juventus, um die Champions League, ausgerechnet in München.

von Christoph Wagner
Woche vom 22. Mai – 28. Mai

Als Endpielorte für die Champions League kommen in Deutschland nur drei oder vier Stadien in Frage: Berlin, Dortmund, Gelsenkirchen und München. In der jüngeren Vergangenheit waren die Münchner Stadien jeweils auserwählt für die Krönung der besten europäischen Clubmannschaften. Es muss die Bayern wurmen, dass bei beiden Anlässen nicht sie in ihrem Stadion ihren Pokal gewonnen haben. Vor 20 Jahren waren die Hausherren nicht einmal im Wettbewerb vertreten, obwohl man in der Vorsaison in der Liga den 2. Platz hinter Dortmund belegt hat. Wie dem auch sei, die Bayern mussten zugucken wie Dortmund auf dem Rasen des Olympiastadions die ‘Alte Dame’ Juve mit 3:1 schlug und den großen Henkelpott mit nach Hause nehmen durfte. Es war dies die Krönung einer wahnsinnig erfolgreichen Zeit für den BVB. Zweimal Meister, 1995 und 1996, regelmäßige Teilnahme an den UEFA-Wettbewerben, jedoch zum großen Wurf, reichte es nicht. Meist lag das am Gegner des 1997er Endspiels: Juventus. Beide Mannschaften standen sich bereits 1993 im Finale des UEFA-Pokals gegenüber. Dortmund ging mit 6:1 unter und hatte nicht den Hauch einer Chance. Im Halbfinale zwei Jahre später hatten die schwarz-gelben Pech. Nach einem 2:2 im Hinspiel in Turin unterlag man zu Hause 2:1 und hatte erneut das Nachsehen. In der darauffolgenden Saison traf man in den Gruppenspielen der Champions League aufeinander und beide Teams konnten auf des Gegners Platz gewinnen, Juve in Dortmund 3:1, und umgekehrt, 2:1. Und 1997 also das Finale der Königsklasse in München und die Möglichkeit für Dortmund den Juve-Albtraum abzulegen.

Juventus gehörte in den 1990er Jahren zu den besten Mannschaften in Europa. Mit Zinedine Zidane, Alessandro del Pierro, Didier Deschamps, Angelo Di Livio und Christian Vieri standen Weltklasseleute auf dem Platz. Gemessen an den Namen ist da einiges dran. Auch der Spielverlauf sah Juve als die eindeutig bessere Mannschaft. Sie erarbeiteten und erspielten sich reihenweise Chancen, die sie aber nicht verwerten konnten. Die Dortmunder konnten einem leid tun, denn es bahnte sich eine erneute Schlappe an. Das Auslassen der Chancen kam Juventus teuer zu stehen, denn nach einer halben Stunde machte Karl-Heinz Riedle das 1:0. Eine Flanke von rechts nahm er in Götze-Manier an und legte sich den Ball vor. Mit links vollendete er dann flach. Peruzzi im Tor hatte keine Chance. Nur 5 Minuten später war es wieder Riedle, diesmal per Kopf. Eine Ecke getreten von Möller fand seinen Kopf. Riedle stieg hoch, höher als sein Gegenspieler und nickte unhaltbar ein. Peruzzi bewegte sich nicht.

Jetzt begann Juve erst recht zu spielen. Ein Tor wurde wegen eines Handspiels nicht gegeben, Dortmund konnte durchatmen. Etwas mehr als eine Stunde war gespielt als der Dortmund-Schreck der 90er, Alessandro del Pierro, zulangte. Alen Boksic tankte sich halblinks in den Strafraum durch und passte von der Grundlinie in die Mitte. Dort verwandelte del Pierro mit der Hacke. Es war ein großes Tor und deutete an, dass Juve noch nicht geschlagen war. Dafür sorgte in der 71. Minute Lars Ricken. Der Dortmunder Junge hatte schon von der Bank aus beobachtet, dass Peruzzi zu weit vor dem Tor stand.

Lars Ricken zu seinem Tor:

“Peruzzi stand permanent zu weit vorne, und schon während der ersten Halbzeit habe ich zu Heiko Herrlich gesagt: Den ersten Ball, den ich kriege, schieße ich direkt aufs Tor. Mit der Haltung bin ich nach meiner Einwechslung ins Spiel gegangen.”
(Quelle: Reviersport)

Seine Ansage zu Heiko Herrlich spricht von gesundem Selbstvertrauen. Es zeugt aber auch davon, dass er den Mut hatte, im entscheidenden Moment diesem Spruch auch Taten folgen zu lassen. Sein Tor ist Sport- und Fußballgeschichte. Er fügt aber auch hinzu, dass er solche Situationen im Training regelmäßig geübt hatte. Ebenso erwähnt er Andreas Möller, der ihm einen perfekten Pass in den Lauf spielte, den Ricken nur noch erlaufen musste. Ihm kam dabei zupass, dass die Spieler von Juve den eingewechselten noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Am Ende der Bogenlampe war der Ball drin und Ricken konnte selber nicht fassen, das es geklappt hat.

Für Dortmund war es der Zenit. Zwar folgten der Champions League noch der Supercup sowie der Weltpokal aber die meisten Spieler hatten ihre beste Zeit hinter sich. Mit Ottmar Hitzfeld ging zudem auch noch der Architekt dieser Mannschaft von Bord. Zuerst wurde er Sportdirektor, dann ging er zu den Bayern. Zwei Jahre später wäre er beinah erneut erfolgreich gewesen, allerdings hatten die Bayern die Rechnung ohne Fergie-Time gemacht und schauten dementsprechend in die Röhre, nur um es dann zwei Jahre später besser zu machen. Und Zidane? Der wurde 1998 Weltmeister, 2000 Europameister. 2002 holte er dann endlich seinen Henkelpott. Für einen jeden Bayern Fan aber muss der 28. Mai 1997 ein schwarzer Tag gewesen sein. Die Stadt war voller Dortmunder​, schlimmer noch, diese hatten auch noch Grund zu feiern.

Interessanter Punkt: Im UEFA-Pokalfinale 1996 unterlag Bordeaux den Bayern. Mit dabei ein junger Franzose namens Zinedine Zidane. Ein Jahr später lief Zizou in München auf und verlor erneut ein Finale gegen eine deutsche Mannschaft. Selbst im dritten Anlauf 1998 unterlag er, diesmal gegen Real, 1:0.

Geburtstage in der Woche vom 22. bis 28. Mai

  • 22.05.: Lee Hughes (1976)
  • 23.05.: Lisa-Marie Woods (1984)
  • 24.05.: Vladimir Smicer (1973)
  • 25.05.: Frank Wirsching (1987)
  • 26.05.: Richard Albrecht (1936)
  • 27.05.: Willi Magel (1925)
  • 28.05.: Hans Jörg Butt (1974)

Wer gegen Wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung der letzten Woche: Gesucht war das DFB-Pokalfinale zwischen dem SV Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern. Die Roten Teufel setzten sich mit 3:1 durch.

Bildnachweis: Olympiastadion München, lizensiert unter CC BY-SA 3.0

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