19.05. – Hamburg, München, Düsseldorf…Leipzig!

RasenBallsport Leipzig wird im Mai 2009 gegründet. Vorangegangen ist eine lange Suche. Viele Standorte für einen von Red Bull gesteuerten Fußballverein sind im Gespräch. Schlussendlich hilft ein Fünftsligist aus dem Leipziger Umland dabei, RB Leipzig aus der Taufe zu heben.

von Endreas Müller
Woche vom 15. Mai – 21. Mai

Kaum ein Verein polarisiert Fußballdeutschland so sehr wie RasenBallsport Leipzig. Inzwischen in der Bundesliga angekommen, hat selbst der letzte Fußballfan verstanden, dass das Engagement von Red Bull in der Messestadt weit über ein normales Sponsoring hinausgeht und man einen bleibenden Eindruck in der deutschen Fußballlandschaft hinterlassen will.

Der österreichische Getränkekonzern bestimmt allein über die Geschicke des Vereins und setzt in Leipzig konsequent seine Ideen um – mit viel Geld und einem klaren sportlichen Konzept, das erfolgversprechend scheint. Aber eben auch unter Ausnutzung von Lücken in den Regularien von DFB und DFL – und das alles mit dem Zweck, die Bekanntheit der eigenen Marke zu steigern.

Medien und Fußballfans sind gespalten. Einige freut’s, dass in Leipzig wieder erstklassiger Fußball gespielt wird und geschaut werden kann, und Teile der Medienlandschaft hofieren RasenBallsport entsprechend.

Aber auch mindestens genau so viel Ablehnung schlägt den Leipzigern entgegen. Ein Verein, der einzig und allein als Marketingvehikel dient, künstlich mit Geld vollgepumpt wird und strukturell noch weniger mit einem klassischen Fußballverein zu tun hat, als all die anderen Bundesligisten mit ihren ausgegliederten Lizenzspielerabteilungen – das ist eine neue Dimension der Kommerzialisierung – so der Tenor der RB-Gegner.

Die Diskussion, wer im Recht ist, soll an dieser Stelle nicht geführt werden, wir belassen es bei einem Zitat von Nicole Selmer aus dem ballesterer:

„Nicht der Einstieg von Red Bull in Leipzig hat den traditionellen Fußball zerstört, der moderne Fußball hat RB Leipzig ermöglicht.“

Was RasenBallsport immer wieder zum Vorwurf gemacht wird, ist die fehlende Tradition. Dabei kann auch RB Leipzig inzwischen auf eine Reihe von sportlichen Höhepunkten und Rückschlägen zurückblicken, und, auch wenn es noch nicht ganz so lange zurückliegt, auf ein offizielles Gründungsdatum verweisen: den 19. Mai 2009.

Bis zur Gründung und den ersten Pflichtspielen in der Saison 2009/2010 hatte der Red Bull-Konzern nicht nur in Leipzig viele Verhandlungen führen müssen. Die Inkarnation verlief weit weniger geradlinig als man sich das in Fuschl am See vorgestellt hatte.

Leipzig war einer von vielen Standorten, die beim Brausehersteller in der Verlosung waren. 2005 hatte Red Bull zunächst Austria Salzburg komplett übernommen. Eine Umbenennung von Vereinen ist in Österreich sehr viel üblicher als in Deutschland, doch auch für österreichische Verhältnisse hatte die Übernahme eine neue Qualität: der alte Klubname und die Klubfarben wurden vollständig getilgt. Fortan sollte das neue Red Bull Salzburg als vollkommen neuer Verein verstanden werden. Ähnliches schwebte Red Bull auch für das geplante Franchise in Deutschland vor.

Der Knackpunkt: keiner der etablierten Vereine, die man ins Auge gefasst hatte, wollte so richtig mitmachen bei diesem Alles-oder-Nichts-Ansatz. Red Bull streckte seine Fühler in Richtung München aus und fragte beim TSV 1860 an – ohne Erfolg. Dort entschied man sich später dafür, Hasan Ismaik als Investor in den Verein zu holen – mit durchwachsenem Erfolg, aber weiterhin unter eigenem Namen und mit eigenen Farben.

Auch beim FC St. Pauli wurde die Idee einer Zusammenarbeit schnell verworfen. Die Vertreter von Red Bull schienen wenig Ahnung von der besonderen Fankultur auf St. Pauli zu haben und auch sonst etwas oberflächlich.

„Ihr steht doch auch für Coolness, Party, feiern und so“

Diese Aussage seitens der Red Bull-Vertreter soll in den Gesprächen in Hamburg gefallen sein.

Die dritte Anlaufstelle war Düsseldorf, das damals, ebenso wie der FC St. Pauli, in der drittklassigen Regionalliga antrat. Dort kam man in den Gesprächen etwas weiter, aber auch bei der Fortuna sollte es eine Umbenennung geben. Red Bull Düsseldorf oder Fortuna Red Bull Düsseldorf? Undenkbar.

Blieb die Option Leipzig. Dort gab es eine WM-Arena und offenkundiges Interesse an vom Energydrink-Hersteller beflügelten hochklassigem Fußball. Es gab Gespräche mit dem FC Sachsen Leipzig, einem damals ambitionierten Viertligisten, der von Investor Michael Kölmel unterstützt wurde. Doch Fanproteste und die Statuten des DFB, insbesondere die angestrebte Umbenennung, machten Red Bull einen Strich durch die Rechnung.

Um sich dem Einflussbereich des DFB zu entziehen, setzte Red Bull danach weiter unten in der Ligenpyramide an. Ein Fünftligist aus dem Leipziger Umland wurde gesucht und gefunden – der SSV Markranstädt. Am 19. Mai 2009 wurde genaugenommen nur die Satzung des RasenBallsport Leipzig e. V. ins Vereinsregister eingetragen. Der Verein gibt diesen Tag (und nicht die Gründungsversammlung) dennoch als Gründungsdatum an. Ein Gros der Markranstädter Spieler wechselte nach der Saison 2008/09 geschlossen zu RasenBallsport. In diesem Fall erlauben die Statuten des sächsischen Fußballverbands die Übertragung des Spielrechts auf den aufnehmenden Verein. Red Bull hatte somit einen Startplatz in der fünften Liga sicher und der sächsische Fußballverband konnte die Nachwuchsabteilungen des gerade (erneut) insolvent gegangenen FC Sachsen Leipzig bei der Neugründung unterbringen.

Neben dem Spielrecht wurde auch der Vereinsname genehmigt. Nur beim Vereinswappen erteilte man dem Brausekonzern eine Absage – zu groß sei die Ähnlichkeit mit dem Firmenlogo. So lief man vorerst ohne Vereinswappen auf, welches stattdessen kurzerhand als Sponsorenlogo umdeklariert wurde und fortan umso größer auf den Trikots prangte (wer denkt, dass dies die absurdeste Posse um ein Vereinswappen im Leipziger Fußball ist, der hat noch nicht das Ur-Wappen des FC Leipzig International gesehen, ja, da ist wirklich ein Einhorn drauf). Das Hin und Her mit dem Wappen war aber, verglichen mit den vorangegangenen Anstrengungen, nur noch ein kleiner Stolperstein. Mit dem übernommenen Spielrecht hatte Red Bull den Fuß in der Tür und konnte sich an die Umsetzung seines Konzeptes machen.

Der SSV Markranstädt erhielt für seine Dienste eine kolportierte Gegenleistung in Höhe von 350.000 – 400.000 €. Damit sollte der Grundstein für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Vereins gelegt werden. Heute steht der Verein da, wo er auch vor dem Red Bull-Deal war – in der fünftklassigen Oberliga – Einigkeit über die Verwendung des Geldregens schien vereinsintern nicht geherrscht zu haben.

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Geburtstage in der Woche vom 15. bis 21. Mai

  • 15.05.: Ousmane Dembélé (1997)
  • 16.05.: Milan Fukal (1975)
  • 17.05.: Juan Arango (1980)
  • 18.05.: Stefan Ilsanker (1989)
  • 19.05.: Andrea Pirlo (1979)
  • 20.05.: Petr Cech (1982)
  • 21.05.: Rade Bogdanovic (1970)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung der letzten Woche: Gesucht war das Finale des Pokals der Pokalsieger aus dem Jahr 1977. Der Hamburger SV setzte sich gegen den RSC Anderlecht durch.

Bildnachweis: Zentralstadion, aufgenommen von Xxlfussel, lizensiert unter CC BY-SA 3.0

1 Kommentare

  1. Pingback: Presse 19.05.2017 | rotebrauseblogger

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