08.05. – „Finale Dahoam“ auf niederländisch

Am 8. Mai 2002 empfängt Feyenoord Rotterdam Borussia Dortmund im eigenen Stadion zum Finale des UEFA-Pokals. Der Sieg von Feyenoord markiert den bisher letzten internationalen Titel einer niederländischen Vereinsmannschaft.

von Ralf Lieschke
Woche vom 8. Mai – 14. Mai

Ein Finale zu Hause – welcher Spieler träumt nicht davon, im eigenen Stadion das Endspiel um einen wichtigen Titel bestreiten zu dürfen und im Anschluss den Pokal vor seinen Fans in den Himmel recken zu dürfen? Einige Vereine mühen sich seit Jahren erfolglos, in diese Sphären vorzustoßen (Hertha BSC), andere waren schon kurz vor dem großen Ziel und mussten sich doch geschlagen geben (Bayern München), aber manchmal, ja manchmal gibt es sie dann doch, die Erfüllung dieses großen Traumes.

Feijenoord-Stadion Rotterdam

Das Feijenoord-Stadion in Rotterdam, besser bekannt als „de Kuip“, hat in seiner Geschichte schon als Kulisse für viele große Endspiele gedient. 1974 beispielsweise wurde hier nicht nur der einzige Europapokalgewinn einer Mannschaft aus der DDR – ebenfalls an einem 8. Mai – gefeiert, auch Feyenoord Rotterdam selbst gewann hier im selben Jahr den UEFA-Pokal, dessen Finale damals noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Zwei Jahre nach dem Finale der Europameisterschaft 2000, für die das Stadion aufwendig erweitert wurde, sollte es am 8. Mai 2002 mit dem UEFA- Pokalendspiel Rotterdam – Dortmund wieder einmal so weit sein: Ein großes europäisches Finale im Kuip. Und für Feyenoord nach 1974 ein weiteres Finale im eigenen Stadion.

Für beide Finalisten war der Weg in dieses Endspiel keineswegs vorgezeichnet. Sowohl Feyenoord (2. in der Ehrendivision) als auch Borussia Dortmund (3. der Bundesliga) hatten sich eigentlich für die Champions League qualifiziert, deren Finale in Glasgow angesetzt war (und wo dann Bayer Leverkusen seinen Ruf als „Vizekusen“ endgültig manifestieren sollte). Allerdings war für beide Vereine bereits nach der ersten Gruppenphase das Abenteuer Königsklasse beendet; als Gruppendritte stiegen sie in die 3. Runde des UEFA-Pokals ein, von wo sie mehr (Rotterdam) oder minder (Dortmund) souverän ihren Weg bis ins Halbfinale bestritten.

Auch diese Halbfinals der Pokalsaison 2001/02 wären eigentlich eine eigene Geschichte wert. Auf die späteren Finalisten warteten mit Inter und Milan zwei Mailänder Mannschaften, die sicherlich gerne aus dem Endspiel ein Stadtderby gemacht hätten. Letztendlich konnten sich aber beide Clubs trotz aller Anstrengungen nicht durchsetzen. So kam es am 8. Mai 2002 zu einem Finale des UEFA-Pokals, bei dem Feyenoord Rotterdam im eigenen Stadion die Borussia aus Dortmund empfing, die erst vier Tage zuvor die sechste deutsche Meisterschaft gefeiert hatte und nun mit dem Double die Saison „rund“ machen wollte.

Zunächst war es aber nicht der Sport, der bei diesem Spiel im Vordergrund stand. Zwei Tage vor der Partie war der rechtspopulistische Politiker Pim Fortuyn, für dessen Bewegung die Arbeiterstadt Rotterdam als eine Keimzelle galt, einem Attentat zum Opfer gefallen. Trotz der Sicherheitsbedenken – und wohl auch auf Druck der UEFA – fand das Spiel dann aber wie geplant statt, lediglich die für einen eventuellen Finalsieg von Feyenood geplanten Feierlichkeiten am Folgetag wurden abgesagt. Auch die Gästefans aus Dortmund bekamen die verschärften Sicherheitsmaßnahmen zu spüren.

Es war erst eine halbe Stunde gespielt, da musste die mit großen Namen wie Dede, Stefan Reuter und Tomas Rosicky gespickte Dortmunder Mannschaft bereits einen ersten herben Rückschlag verkraften. Der Alt-Internationale Jürgen Kohler verlor direkt am Strafraum den Ball an seinen Gegenspieler Tomasson und konnte diesen nur noch mit einer Notbremse stoppen. Die zwangsläufige Folge: Rote Karte und Elfmeter, was Feyenoord in Führung und die Dortmunder in Unterzahl brachte. Kaum zehn Minuten später schlug es wieder im Kasten von Jens Lehmann ein, Pierre van Hooijdonk erhöhte per Freistoß auf 2:0.

Kurz nach dem Seitenwechsel zeigte Schiedsrichter Peireira erneut auf den Punkt. Nun waren die Gäste am Zug, die durch Marcio Amoroso auf 2:1 verkürzen konnten. Doch der nächste Nackenschlag folgte auf dem Fuße, als Tomasson nur drei Minuten später wieder den alten Abstand herstellte. Die Zuschauer bekamen eine packende Partie geboten und in der 58. Minute war es Marcel Koller, der mit dem 3:2 die Dortmunder wieder ins Spiel brachte. Dieser Treffer sollte allerdings der letzte des Abends bleiben, Feyenoord gewann zum zweiten Mal nach 1974 im eigenen Stadion den UEFA-Pokal.

Seit diesem 8. Mai 2002 fand kein internationales Endspiel mehr im Kuip statt. Und der Sieg von Rotterdam blieb auch der bisher letzte Erfolg einer niederländischen Vereinsmannschaft in einem europäischen Pokalwettbewerb. Ein Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen werden. Das wäre schade, denn in Rotterdam plant man mittlerweile ein neues Stadion und den Umbau des Feijenoord-Stadions in ein Museum.

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Geburtstage in der Woche vom 8. bis 14. Mai

  • 08.05.: Franco Baresi (1960)
  • 09.05.: Genki Haraguchi (1991)
  • 10.05.: Christian Wörns (1972)
  • 11.05.: Andrés Iniesta (1984)
  • 12.05.: Erik Durm (1992)
  • 13.05.: Yaya Touré (1983)
  • 14.05.: Patrick Ochs (1984)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung der letzten Woche: Gesucht war das FDGB-Pokalfinale 1. FC Magdeburg – 1. FC Lok Leipzig vom 1. Mai 1973.

Bildnachweis:
De Kuip 04 by G-Tinnetje, CC BY-SA 2.0 via flickr.com

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