01.05. – Tschüs, “Uns Uwe” – Wie ein treuer Hamburger in Deutschland zum Idol wurde

Mit einem Spiel gegen eine Weltauswahl tritt Uwe Seeler am 1. Mai 1972 von der Fußball-Bühne ab. Einige Jahre später gibt er ungewollt ein kurzes Comeback. Zwei Jahrzehnte lang war er einer der besten Stürmer Europas, doch zum Idol wurde er vor allem durch seine Treue.

von Oliver Leiste
Woche vom 1. Mai – 7. Mai

Ein letztes Mal schallte es durch das Volksparkstadion: “Uwe, Uwe” riefen tausende Menschen begeistert, während ihr Held von einigen auf den Schultern aus dem Stadion getragen wurde. Es war der 1. Mai 1972 und Uwe Seeler bestritt an diesem Tag sein Abschiedsspiel. Zu dem waren nicht nur 71.000 Zuschauer gekommen, sondern auch die besten Fußballer Europas. Seelers Nationalmannschaftskollegen Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Karl-Heinz Schnellinger gaben sich genauso die Ehre, wie die englischen Weltmeister Gordon Banks, Bobby Moore und Bobby Charlton. An ihrer Seite zauberten der portugiesische Ballkünstler Eusébio, sowie der italienische Regisseur Gianni Rivera und der nordirische Exzentriker George Best. Einzig der Brasilianer Pelé fehlte, hatte sich aber persönlich bei Seeler entschuldigt. Die Weltauswahl siegte mit 7:3 gegen den Hamburger SV, für den der kleine Mittelstürmer noch zwei Mal traf. Doch das Ergebnis war an diesem Tag bestenfalls zweitrangig. Es war der würdige Schlusspunkt einer großen Karriere – die dort endete wo sie begann: in Hamburg.

Bereits in der Jugend spielte der 1936 in Hamburg geborene Seeler für den HSV. Im zarten Alter von 17 Jahren gab er 1954 gegen den VfB Oldenburg sein Debüt für die erste Mannschaft und erzielt gleich ein Tor. Die Weltmeisterschaft im gleichen Jahr verpasste er, obwohl er bei einem UEFA-Jugendturnier kurz vor der WM 13 Mal für Deutschland traf. Seine Zeit werde noch kommen, soll Bundestrainer Sepp Herberger dem jungen Mann prognostiziert haben. Und sie kam.

Gleich in seiner ersten Saison wurde Seeler, gemeinsam mit seinem Teamkollegen Günther Schlegel, Torschützenkönig der Oberliga Nord – damals die höchste Spielklasse in Deutschland. Beide erzielten jeweils 28 Tore. Auch in den Folgejahren traf er in der Oberliga, wie er wollte. Am 16. November 1954 bestritt er gegen Frankreich sein erstes von 72 Länderspielen. Mit unermüdlichem Einsatz und spektakulären Toren eroberte Seeler schnell die Herzen der Fans. Beeindruckend war vor allem sein Kopfballspiel. Dabei war Seeler gerade mal 1,70 Meter groß und damit deutlich kleiner als die meisten seiner Gegenspieler. Auch sein wohl berühmtestes Tor war ein Kopfballtreffer – ein Tor mit dem Hinterkopf um genau zu sein. Erzielt bei der WM 1970 im Viertelfinale gegen England. Es war auch sein letztes Tor für die Nationalmannschaft.

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Größe auch bei Niederlagen

Zeitgenossen berichten, dass Seeler niemals verlieren wollte und deshalb alles tat um seine Mannschaft zum Sieg zu führen. Doch in Momenten der Niederlage zeigte er stets Größe und verdiente sich damit auch bei seinen Gegnern enormen Respekt. Relativ zu Beginn seiner Karriere erreichte der HSV 1957 und 1958 zwei Mal nacheinander das Finale um die Deutsche Meisterschaft. Und verlor beide Male – einmal gegen Dortmund und einmal gegen Schalke. Erst 1960 konnten Seeler und der HSV die ersehnte Meisterschaft feiern. Im Endspiel gegen Köln traf er zwei Mal, das Spiel endete 3:2. In der Zwischenrunde gelang ihm zuvor gegen Westfalia Herne das sogenannte Jahrhunderttor. Im gleichen Jahr wurde Seeler auch zum ersten Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt. 1963 gewann er mit dem HSV den DFB-Pokal und wurde ein Jahr später der erste Torschützenkönig der Bundesliga. 1965 glaubten viele, Seelers Karriere sei nach einem Achillessehnenriss beendet. Doch der Hamburger kämpfte sich innerhalb weniger Monate zurück. Mit einem Tor gegen Schweden führte er die Deutsche Nationalmannschaft zur WM nach England – und erlebte dort 1966 im Finale von Wembley seine größte Niederlage. Das Bild, wie der Kapitän mit hängenden Schultern vom Platz schleicht, ist bis heute eines der bekanntesten Fotos der deutschen Sportgeschichte.

Seeler schockt Inter Mailand

Doch es waren nicht nur seine Erfolge, seine Spielweise und seine über 400 Tore, die er für den HSV erzielte, die ihn zum Idol machten. Auch seine 43 Länderspieltore trugen nur einen Teil zu seiner Beliebtheit bei. Seelers Legendenstatus beruht ganz erheblich auf seinem bescheidenen Auftreten und seiner unerschütterlichen Loyalität zu Hamburg und seinem HSV. 1961 schlug er ein Millionenangebot von Inter Mailand aus – in einer Zeit, in der Fußballer noch längst nicht so viel verdienten wie heute. In Hamburg haben sie diese Entscheidung über all die Jahre nicht vergessen. Auch deshalb ist er heute Ehrenbürger der Hansestadt. Zudem wurde er schon während seiner aktiven Zeit mit dem Silbernen Lorbeerblatt und dem Bundesverdienstkreuz geehrt und später in die Hall of Fame des Deutschen Sports aufgenommen.

Nur ein einziges Mal spielte Uwe Seeler für einen anderen Verein. 1978 erzielte er in Irland für Cork Celtic beide Tore bei der 2:6-Niederlage gegen die Shamrock Rovers. An dem Spiel hatte er nur teilgenommen, weil er glaubte, es handele sich um ein Freundschaftsspiel. Erst danach sei ihm klar geworden, dass es ein reguläres Punktspiel war, erzählte Seeler später. Eine Weiterverpflichtung in Irland lehnte er ab. Schließlich hatte er seine Karriere ja schon längst beendet – am 1. Mai 1972.

Uwe Seelers Abschiedsspiel:

Weiterlesen:

Geburtstage in der Woche vom 1. bis 7. Mai

  • 01.05.: Aleksandr Hleb (1981)
  • 02.05.: David Beckham (1975)
  • 03.05.: Bernd Förster (1956)
  • 04.05.: Fernandinho (1985)
  • 05.05.: Raúl Jiménez (1991)
  • 06.05.: Sören Brandy (1985)
  • 07.05.: Bernd Hobsch (1968)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Wer gegen Wen?

Die Auflösung der letzten Woche: Gesucht war das Hinspiel des UEFA-Pokalfinales 1994, Austria Salzburg gegen Inter Mailand.

Bildnachweis:

von Nationaal Archief, Den Haag, Rijksfotoarchief: Fotocollectie Algemeen Nederlands Fotopersbureau (ANEFO), 1945-1989 – negatiefstroken zwart/wit, nummer toegang 2.24.01.05, bestanddeelnummer 921-3780 (Nationaal Archief Fotocollectie Anefo) CC BY-SA 3.0 nl, via Wikimedia Commons

Kategorie Mai

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