17.04. – Von Zuschauerrekorden und den Anfängen der Stadionarchitektur

Im April 1937 wurde in Schottland ein Rekord aufgestellt. Nie wieder danach verfolgten in Europa so viele Zuschauer ein Fußballspiel live im Stadion. Die Stadionarchitektur, die sich im frühen 20. Jahrhundert ebenso entwickelte wie der Fußballsport und immer größere Arenen hervorbrachte, machte es möglich.

von Endreas Müller
Woche vom 17. April – 23. April

Schottland gegen England, ein prestigeträchtiges Fußballspiel. Das Aufeinandertreffen der beiden Teams von der Insel war über viele Jahrzehnte geprägt von der tief verwurzelten Rivalität zwischen Engländern und Schotten. Über mehr als hundert Jahre hinweg ließen es sich FA und SFA nicht nehmen, jährlich eine Partie anzusetzen. Den Anfang machte das erste Länderspiel im Fußball überhaupt, das im November 1872 vor 4.000 Zuschauern ausgetragen wurde.

Fortan traf man sich einmal jährlich auf dem Fußballplatz, ab 1884 im Rahmen der British Home Championship an der auch Wales und Nordirland teilnahmen. Das Aufeinandertreffen am 17. April 1937 ging trotz des festen Turnus in die Geschichtsbücher ein. Das hatte weniger mit den Protagonisten auf dem Rasen zu tun, unter denen auch der junge Stan Matthews war, sondern vielmehr mit den Zuschauern. An diesem Tag verfolgten im Hampden Park in Glasgow 149.415 Zuschauer das Spiel – eine Rekordkulisse. Noch heute ist die Partie europaweit diejenige mit den meisten Zuschauern.

Übertroffen wurde diese Zahl erst nach dem 2. Weltkrieg in Südamerika. Beispielsweise mit der unerreichten Rekordkulisse von knapp 200.000 Zuschauern beim entscheidenden Finalrundenspiel der WM 1950 zwischen Brasilien und Uruguay.

Einer der Väter des Rekords in Glasgow genoss 1937 bereits so langsam aber sicher seinen Lebensabend. Der Schotte Archibald Leitch hatte sich aus einer Arbeiterfamilie hochgearbeitet, war Ingenieur, entwarf später Fabrikgebäude und wurde im beginnenden 20. Jahrhundert innerhalb kürzester Zeit zum führenden Architekten in Großbritannien, wenn es um Fußballstadien ging. Er hatte ein Faible für den Fußball und die Vereine benötigten immer neue, größere Stadien, um mehr Zuschauern Platz zu bieten. Bis zu seinem Tod 1939 war Leitch am Bau von mehr als 20 Fußballstadien beteiligt, u.a. in Diensten von Liverpool (Anfield und Goodison Park), Arsenal (Highbury), Fulham (Craven Cottage), Tottenham (White Hart Lane) oder Manchester (Old Trafford). Leitchs Architekturstil war über Jahrzehnte hinweg stilprägend und noch während der WM 1966 wurde eine Vielzahl der Spiele in Stadien ausgetragen, die von ihm entworfen und gebaut wurden. In den heutigen Arenen ist nur noch wenig von Leitchs Stil erkennbar, auch, weil viele englische Stadien als Konsequenz der Hillsborough-Tragödie umgestaltet wurden.

Doch die Architekten-Karriere von Leitch hätte beinahe ein frühes und jähes Ende gefunden. Und auch dabei spielte eine Partie zwischen Schottland und England in Glasgow eine Rolle. Leitch war Anhänger der Glasgow Rangers und ließ es sich nicht nehmen, am Bau des Ibrox Park mitzuwirken, der 1899 eingeweiht wurde. Seine Mitarbeit ließ er sich nicht bezahlen – sie war Ehrensache. Als 1902 England und Schottland im Ibrox zum alljährlichen Duell aufeinandertrafen, kam es zur Katastrophe: die Holzkonstruktion einer Tribüne brach unter den Besuchermassen zusammen und riss die Zuschauer in die Tiefe. 25 Menschen starben und mehrere hundert wurden verletzt. Archibald Leitch musste sich vor Gericht verantworten. Er wurde in dem Verfahren zwar nur als Zeuge befragt, aber auch ihm wurde von der Öffentlichkeit eine Mitschuld an dem Unglück angelastet.

die eingestürzte Tribüne nach der Ibrox-Katastrophe 1902

Leitch zog seine Lehren aus der Tragödie – er entwickelte u.a. einen neuen Ansatz für den Bau von Tribünen und entwarf und patentierte die in früheren Stadien omnipräsenten Wellenbrecher. Beides und noch viele weitere seiner Ideen sollten in den Stadien zum Einsatz kommen, die er in ganz England errichten ließ. Nach der Katastrophe von 1902 konnte er sogar weiter am Ibrox Park arbeiten und Leitch gehörte ebenso zu den Erbauern des Hampden Park, der im Laufe der Jahre enorm vergrößert wurde.

Am 17. April 1937 kam es trotz beinahe 150.000 Zuschauern zu keiner Katastrophe und bereits sieben Tage später verfolgten an gleicher Stelle im Hampden Park mehr als 147.000 Zuschauer das schottische Pokalfinale:

Geburtstage in der Woche vom 17. bis 23. April

  • 17.04.: Shkodran Mustafi (1992)
  • 18.04.: Stefan Schnoor (1971)
  • 19.04.: Marko Arnautovic (1989)
  • 20.04.: Ludovic Magnin (1978)
  • 21.04.: Mitchell Weiser (1994)
  • 22.04.: Kaká (1982)
  • 23.04.: Angelo Vier (1972)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung der letzten Woche: Am 10. April 1963 trafen der 1. FC Nürnberg und Atlético Madrid im Europapokal der Pokalsieger aufeinander.

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