16.03. – Die Mutter aller Pokale

Charles W. Alcock erfindet den FA-Pokal – und gewinnt ihn.

von Ralf Lieschke
Woche: 13.03.2017 – 19.03.2017

Pokale und Meisterschaften standen noch nicht im Vordergrund, als sich 1863 in London die Football Association (FA) gründete. Vielmehr ging es um die Schaffung und Vereinheitlichung der Regeln, nach denen der noch relativ junge Sport vor allem an Schulen und Universitäten gespielt wurde. Die gemeinsamen Standards ermöglichten überhaupt erst eine Art von sportlichem Wettbewerb im Mutterland des Fußballs. In den ersten Jahren des Bestehens konzentrierte sich die FA in erster Linie auf die Verfeinerung dieser Regeln, während die Spiele selbst meist eher lokalen oder Freundschaftsspielcharakter ohne Auswirkungen auf eine verbandsweite Wertung hatten. 

Charles W. Alcock

Das änderte sich im Jahr 1871, als FA-Sekretär Charles W. Alcock, der auch maßgeblich am Zustandekommen des allerersten Länderspiels zwischen England und Schottland ein Jahr zuvor beteiligt war, einen Pokalwettbewerb vorschlug, an dem alle in der FA organisierten Mannschaften Englands teilnehmen können sollten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des sich mehr und mehr entwickelnden Eisenbahnnetzes war Alcock der Meinung, dass auch größere Entfernungen kein unüberwindbares Hindernis für einen solchen Wettbewerb mehr darstellten.

“That it is desirable that a Challenge Cup should be established in connection with the Association, for which all clubs belonging to the Association should be invited to compete” – Charles W. Alcock

Letztendlich waren es 15 von 50 angefragten Mannschaften, die im November 1871 in die erste Pokalrunde starten sollten, darunter der Wanderers F.C. aus London, dessen Kapitän Alcock höchstpersönlich war. Von den sieben angesetzten Partien wurden jedoch nur vier auch tatsächlich ausgespielt. Der schottische Vertreter Queens Park F.C. konnte sich beispielsweise nicht mit seinem Gegner aus Donington auf einen Spielort verständigen, woraufhin die FA ganz unkompliziert beide Mannschaften eine Runde weiter schickte, auch nach dem torlosen Remis zwischen Hitchin und Crystal Palace wurde großzügig auf ein Wiederholungsspiel verzichtet und beiden Teams das Weiterkommen ermöglicht. Auch in den beiden folgenden Runden wurde mit den Regeln fallweise recht flexibel umgegangen. So kam es, dass Alcocks Wanderers auf ihrem Weg bis ins Halbfinale nur ein einziges Spiel auch tatsächlich sportlich gewannen.

„The Oval“, um 1890

Ab dem Halbfinale wurden alle Partien im Cricketstadion „The Oval“ im Londoner Stadtteil Kennington ausgespielt. Neben den dort regelmäßig spielenden Wanderers hatten es auch die Royal Engineers, Crystal Palace F.C., sowie die bereits erwähnten Schotten vom Queens Park F.C. aus Glasgow in die Vorschlussrunde geschafft. Nachdem beide Halbfinals mit 0:0 endeten, setzten sich im ersten Wiederholungsspiel die Engineers gegen Crystal Palace durch, während die Schotten eine erneute Anreise nach London auch aus Kostengründen scheuten und den Wanderers ein erneutes Freilos bescherten.

So trafen im ersten Finale des FA-Cups am 16. März 1872 vor rund 2000 Zuschauern im Kennington Oval die favorisierten Royal Engineers auf ein Team, das sein sportliches Können in dieser Premierensaison des Wettbewerbs zuvor kaum richtig unter Beweis stellen konnte. Zudem galten die Engineers als Vertreter einer moderneren Spielweise, des sogenannten „Combination Game“, die im Gegensatz zum bisher praktizierten Dribbeln vermehrt auf das Passspiel setzte. Und dennoch waren es die Wanderers, die nach 15 Minuten den ersten und einzigen Treffer des Tages bejubeln konnten. Der – aus bis heute nicht völlig geklärten Gründen – unter Pseudonym spielende Morton Betts markierte das Siegtor für die Londoner und sorgte so dafür, dass Charles W. Alcock als erster Spieler den Pokal für den von ihm selbst ins Leben gerufenen Wettbewerb in Empfang nehmen durfte.

Für den Wanderers F.C. bedeute dieser Pokalsieg den Beginn einer kurzen, aber überaus erfolgreichen Ära. Bis 1878 gewann der Club den FA-Cup insgesamt fünfmal. Damit rangiert er in der Liste der erfolgreichsten Vereine aller Zeiten in diesem Wettbewerb noch immer auf Rang 12, obwohl er sich bereits in den 1880er Jahren aus dem Spielbetrieb zurückzog. Erst 2009 kam es zu einer Neugründung des Clubs, inklusive einer Wiederholung des historischen Finales von 1872 gegen die Royal Engineers. Die Neuauflage nach 140 Jahren entschieden die Engineers allerdings relativ deutlich mit einem 7-1 für sich.

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Geburtstage in der Woche 13.03. – 19.03.

  • 13.03.: Marko Marin (1989)
  • 14.03.: Kolbeinn Sigthórsson (1990)
  • 15.03.: Paul Pogba (1993)
  • 16.03.: Pál Dárdai (1976)
  • 17.03.: Giovanni Trapattoni (1939)
  • 18.03.: Tom Starke (1981)
  • 19.03.: Max Kruse (1988)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie SL Benfica – Manchester United aus dem Jahr 1966, wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis:

Charles W. Alcock, Secretary of the Surrey C. C. C, Public Domain, via wikimedia.org.
Cricket, WG Grace, 1891- Kennington Oval, Public Domain, via wikimedia.org.

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