03.03. – Ein Abendessen mit Folgen

Weil sonst niemand will, wird Bernd Schröder Fußballtrainer. Und bleibt es für 45 Jahre.

von Ralf Lieschke
Woche: 27.02.2017 – 05.03.2017

Trainerstühle gleichen im Fußballgeschäft oftmals Schleudersitzen. Sucht man nach Fußballtrainern, die es besonders lange im Amt ausgehalten haben, kommen einem unweigerlich Persönlichkeiten wie die Werder-Legenden Otto Rehhagel und Thomas Schaaf oder auch Sir Alex Ferguson in den Sinn. Doch selbst die knapp 27 Jahre, in denen der strenge Schotte die Geschicke von ManU lenkte, nehmen sich bescheiden aus gegen eine Trainer-Ära, die am 3. März 1971 in der DDR-Bezirksstadt Potsdam eher zufällig ihren Anfang nimmt.

Bernd Schröder 2015

Bernd Schröder besucht an jenem Tag das Klubhaus der BSG Turbine Potsdam – der Betriebssportgemeinschaft des örtlichen Energieversorgers, bei dem Schröder angestellt ist – eigentlich nur zum Abendessen, als sich dort der soeben gegründeten Damenmannschaft die Trainerfrage stellt. Da sich aber niemand finden will, willigt Schröder ein, das Amt übergangsweise zu übernehmen. Nach den Beweggründen für diese Entscheidung gefragt, wird er später erklären, dass er die jungen Frauen einfach nicht hängen lassen konnte.

“Für mich war es eigentlich nur eine Frage der Verantwortung – das hat mit dieser Sportart nichts zu tun. Ich hätte also wahrscheinlich, wenn ich das Gefühl hätte, ich muss eine Verantwortung übernehmen, egal wie lange, die auch beim Kegeln oder beim Billard übernommen. Aber es war eben Frauenfußball.“

So beginnt für den 28-jährigen Ingenieur, der mehr Erfahrung im Bergbau als an der Seitenlinie des Fußballplatzes hat, ein Engagement, das am Ende über 45 Jahre dauern und Turbine Potsdam zu einer der erfolgreichsten Frauenfußballmannschaften in Europa machen wird – ein Engagement übrigens, das Schröder zeitlebens im Ehrenamt ausübt. „Ein Idiot, der nie einen Pfennig nahm“ könne einmal auf seinem Grabstein stehen, merkt er in einem Interview vor seinem Abschied 2016 an. Zu diesem Zeitpunkt hat er mit Turbine Potsdam als Trainer und Manager insgesamt 12 Meistertitel (je 6x DDR und gesamtdeutsch), zwei Europapokalsiege und unzählige andere Pokale und Auszeichnungen gewonnen. Neben den Erfolgen im Verein kommt 1990 noch das einzige Länderspiel einer DDR-Frauennationalmannschaft, die er als Auswahltrainer betreut, auf den Leistungsnachweis.

In der Öffentlichkeit präsentiert sich Schröder als ein Mann, für den Loyalität, Ehrlichkeit und Disziplin oberste Priorität genießen. Er hat klare Prinzipien, nach denen er nicht nur in seinem Verein ein straffes Regiment führt, sondern vertritt diese auch nach außen. So macht er sich über die Jahrzehnte seines Schaffens nicht nur Freunde. Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid kritisiert er ebenso medienwirksam wie die Verhältnisse beim Nachbarverein Babelsberg 03, in dessen Karl-Liebknecht-Stadion Turbine die meisten Spiele bestreitet. Besonders in den letzten Jahren seiner Karriere wirkt Schröder durch seine direkte und manchmal schroffe Art wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Dennoch erfährt er bis zuletzt von vielen Seiten große Wertschätzung für seine Arbeit. Nicht wenige blicken wehmütig zurück, als am 16. Mai 2016 mit einem 4:1-Auswärtssieg der Potsdamerinnen in Bremen eine Karriere zu Ende geht, die im Jahre 1971 bei einem Abendessen ihren Anfang nahm.

Weiterlesen

Geburtstage in der Woche 27.02. – 05.03.

  • 27.02.: Oliver Reck (1965)
  • 28.02.: Sebastian Rudy (1990)
  • 01.03.: Juan Bernat (1993)
  • 02.03.: Chong Tese (1984)
  • 03.03.: Philipp Bargfrede (1989)
  • 04.03.: Bernd Leno (1992)
  • 05.03.: Danny Drinkwater (1990)

Wer gegen wen?

Wer hat hier gegen wen gespielt? Und in welchem Jahr war das? Eure Antwort könnt ihr z.B. per E-Mail an kalenderquiz@120minuten.net senden. Wir lösen im Laufe der Woche auf.

Wer gegen Wen?

Die Auflösung von letzter Woche: Gesucht war die Partie Lazio Rom gegen den AC Mailand aus dem Jahr 1994, wir bedanken uns für die zahlreichen Rückmeldungen.

Bildnachweis: 2015-09-13_1.FFC Frankfurt vs 1.FFC Turbine Potsdam_Bernd Schröder_001 (edited), by Michael Frey, CC BY 2.0 via flickr.com.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.