24. 12. – Der Weihnachtsfrieden 1914

Fußball im Niemandsland – Ein Mythos

Als im Juni 1914 das Attentat von Sarajevo das Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete und wenige Wochen später der 1. Weltkrieg das 20. einläutete, gingen alle beteiligten Kriegsparteien davon aus, dass dieser Waffengang gegen Ende des Jahres vorbei sein würde. Von einer Entscheidung konnte im Dezember 1914 jedoch keine Rede sein; vielmehr standen sich beide Seiten in einem unerbittlichen Stellungskrieg gegenüber. In der Historiographie wird im Zusammenhang mit der ersten Kriegsweihnacht sehr oft auch vom Weihnachtsfrieden gesprochen. Und davon, dass um diese Zeit im Niemandsland Fußball gespielt wurde. Letzteres soll Gegenstand dieses kurzen Textes sein.

Als Ausgangspunkt für diese kurze Episode des Waffenstillstands kann man eine Erklärung von Papst Benedikt XV. sehen, der am 7. Dezember die Kriegsparteien aufforderte, die Waffen während der Weihnachtszeit ruhen zu lassen. Sicher kann man diesen Wunsch nicht von der Hand weisen, denn christliche Nächstenliebe spielte wohl durchaus eine Rolle bei dieser überraschenden Fraternisierung im Niemandsland. Die zudem von den Befehlshabern ausdrücklich verboten wurde. Dennoch ist fraglich, ob dies tatsächlich der Auslöser war.

Britische und Deutsche Soldaten begraben ihre Kameraden im Dezember 1914

Britische und Deutsche Soldaten begraben ihre Kameraden im Dezember 1914

Die Berichte über den Weihnachtsfrieden gehen auseinander. Einige Quellen berichteten von ruhigen Frontabschnitten bereits im November 1914. Von einem Frieden zu sprechen, wäre dennoch unangebracht. Vielmehr ist diese Feuerpause als temporärer Waffenstillstand zu verstehen, der dazu genutzt wurde, Tote zu bergen und zu beerdigen sowie die Stellungen zu reparieren. Mitunter wurden Beerdigungen gemeinsam abgehalten und britische und deutsche Soldaten erwiesen ihren Kameraden die letzte Ehre. Die Nähe der Gräben ermöglichte eine nahezu normale Kommunikation, wodurch Unterhaltungen möglich waren. Die Voraussetzungen zum Austausch waren also gegeben und wurden auch genutzt. Nur so sind die spontanen Fraternisierungen im Niemandsland um die Weihnachtszeit im Jahr 1914 zu verstehen. Jedoch wurde jeder Versuch der Spionage mit dem Tode bestraft bzw. zog eine Gefangenschaft mit sich. Die Vorsicht war ein steter Begleiter.

In diesem Zusammenhang wurden und werden auch immer wieder Fußballspiele erwähnt, die zwischen formlosen Mannschaften beider Seiten stattgefunden haben. Es scheint fast so, als dürfe bei einer solchen Zusammenkunft von Briten und Deutschen auch der Fußball nicht fehlen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Krieg und Fußball seit 1914 zu den Anglo-Deutschen Beziehungen dazu gehören und das Weihnachtsfest von 1914 war somit der Ausgangspunkt dieser ganz besonderen Beziehung, die das 20. Jahrhundert prägte.

Auch hier ist wieder Vorsicht geboten, denn obwohl Fußbälle an der Front zu finden waren, fanden wohl keine Spiele zwischen britischen und deutschen Soldaten statt. Eher war es so, dass Soldaten der jeweils anderen Seite ihrem Gegner dabei zusahen, wie dieser spielte. Der Historiker Simon Jones hat sich sehr intensiv mit dem 1. Weltkrieg beschäftigt und kommt zu dem Schluss, dass die Spiele auch vielfach erfunden wurden, aus welchem Grund auch immer.

Obschon es zur Weihnacht 1914 an einigen Frontabschnitten friedlich zuging, ist es dennoch unangebracht, von einem Frieden zu sprechen. Eher sollte das Wort Feuerpause genutzt werden. Dass bis heute vom Weihnachtsfrieden gesprochen wird, lag an den Bedingungen: Weihnachten im ersten Kriegsjahr verbunden mit der Hoffnung, dass die Kämpfe alsbald ein Ende haben würden. In den Folgejahren kam es eben nicht zu solchen Szenen, wohl auch, weil der Krieg verbitterter geführt wurde. Aber nicht nur. Es liegt auch daran, dass beispielsweise in England jedes Jahr im November nahezu alle Fußball-Mannschaften mit einer Mohnblüte auf dem Trikot auflaufen, was erst vor Kurzem eine Strafe der FIFA für England und Schottland nach sich zog. Es liegt aber auch daran, dass in der Musik dieses Weihnachtsfestes auf höchst unterschiedliche Weise gedacht wird. Die bekanntesten Künstler, die sich dieses Themas angenommen haben sind beispielsweise Paul McCartney und die ebenfalls aus Liverpool stammende Band The Farm.

Geburtstage

  • Marcus Sorg (1965)
  • Gintaras Staučė (1969)
  • Marcelo Salas (1974)
  • Yıldıray Baştürk (1978)
  • Vieirinha (1986)
  • Theodor Gebre Selassie (1986)

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