6.12. Lars Rickens spätes Tor gegen La Coruna

Die Deutschen mögen Wunder, ganz besonders Fußballwunder: man spricht immer noch vom Wunder von Bern obwohl es Anzeichen gibt, dass die Helden von Bern 1954 unter dem Einfluss verbotener Substanzen standen und Ungarn 3:2 schlugen und somit die BRD wieder zu jemandem machte. Als der Karlsruher SC 1993 auf Valencia im UEFA-Pokal traf, war die Aufgabe denkbar schwer für die Mannschaft von Winfried Schäfer, denn im Hinspiel unterlag man 3:1 und nur ein deutlicher Erfolg würde dem KSC helfen. Ein Erfolg wurde es und was für einer! 7:0. Edgar Schmitt, der 4 Tore erzielte, hieß daraufhin nur noch Euro-Eddy und Schäfer Winnie-Wahnsinn. Auch die Borussia aus Dortmund kann so einiges an Wundersamem und -vollem aus dem Europapokal-Nähkästchen plaudern.

Am 6. Dezember 1994 empfing der BVB Deportivo La Coruna zum Achtelfinal-Rückspiel im UEFA-Pokal. Auch hier war die Ausgangslage alles andere als günstig, La Coruna gewann 1:0 in einer umkämpften Partie. Dortmund musste also mit mindestens 2 Toren Unterschied gewinnen und am besten keines kassieren. Während der 90 Minuten der regulären Spielzeit schafften sie das auch, gingen durch Michael Zorc in Führung und erreichten die Verlängerung. Alles schien vorbei als Alfredo nach 102 Minuten Stefan Klos im Dortmunder Tor überlupfte und das wichtige Auswärtstor für den nordwestspanischen Club erzielte.

Jetzt spielte nur noch Dortmund, sie wollten es wenigstens versuchen. Dann war vier Minuten vor dem Ende Möller auf der rechten Seite frei und hatte Raum und Zeit für eine Flanke. In der Mitte wartete kein geringerer als Karlheinz Riedle und ließ dem Torhüter keine Chance, 2-1. Wenig später kam der Moment des Bodo Schmidt und ein gewisser Lars Ricken machte das erste Mal auf sich aufmerksam. Ein Freistoß von Höhe der Mittellinie wurde abgewehrt, aber Schmidt setzte energisch nach, gewann den Ball und tankte sich zum Strafraum durch. Im Video sieht sehr viel daran nach Zufall aus, ohne die Leistung in diesem Moment zu schmälern. Der Pass auf den mitlaufenden Ricken war perfekt. Der Ball rollte mit der richtigen Geschwindigkeit, der Winkel stimmte, Ricken musste nur noch ausholen und den Ball versenken. Mit leichter Rücklage traf er den Ball und für einen Moment schien die Zeit still zu stehen. Der Ball flog an die Unterseite der Latte, von dort ins Tor und zappelte. 3-1. Dortmund war durch. Ricken und seine Kollegen schrien ihre Freude raus und an der Seitenlinie hüpfte Ottmar Hitzfeld vor Freude. Die Südtribüne war eine fröhliche schwarz-gelbe Masse.

Die Spannung dieses Wettbewerbs ohne Gruppenphase war etwas ganz Besonderes. In der nächsten Runde, dem Viertelfinale, traf Dortmund auf Lazio und schaffte es bis ins Halbfinale. In den 1990ern gab es viele Spiele gegen Juventus. So auch 1995 und immer waren die Italiener die Glücklicheren. Zwei Jahre später war es erneut Ricken mit einem Traumtor, der Dortmund verzückte und diesmal war es Juventus, die den Platz als zweitbeste Mannschaft verließen. Auf dem Weg ins Finale der Champions League 2013 hatte Dortmund wieder ein Spiel, welches man als Wunder bezeichnen kann. Es waren wieder verrückte Minuten kurz vor Ende, um ein Weiterkommen gegen Malaga zu garantieren. Welches Spiel auch immer, späte Tore machen den Fußball interessant und tun dem Spiel genauso gut wie frühe Tore.

Und sonst

  • Am 6. Dezember 1992 machte Eric Cantona sein erstes Pflichtspiel für Manchester United gegen den Lokalrivalen City. In der 2. Hälfte wurde er eingewechselt.

Geburtstage

  • Jörg Heinrich (1969)
  • Tim Cahill (1979)
  • Nils Petersen (1988)
  • Felix Schiller (1989)

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